EU: Schleichende „Finanzialisierung“ statt Crash?

Bild: Der Euro schmilzt dahin (Quelle: Pixabay).

Prof. Christoph Braunschweig hat kürzlich seinem Unmut über das Finanzsystem der EU im kleinen Kreis sehr kritisch Ausdruck verliehen. Er ist Wirtschaftswissenschaftler mit dem Schwerpunkt Politische Ökonomie, Professor an der Wirtschaftsuniversität in Jekaterinburg, Autor zahlreicher Fachbücher und Publizist.  Der mündige Bürger dankt Herrn Braunschweig für die freundliche Erlaubnis, seinen Kommentar zu veröffentlichen:

Seit der Finanzkrise 2008 wurden die Probleme der EU und der BRD nicht kleiner, sondern sogar noch wesentlich größer. Das hypertrophierte Finanzsystem ist inzwischen derart zerrüttet und fragil, dass der Kollaps jederzeit möglich ist. Die tiefen Ursachen lassen sich kurz zusammenfassen:

In Anlehnung an die sieben Todsünden lässt sich sagen, dass es auch die sieben Todsünden des Wohlfahrtsstaates gibt. Es sind dies: Gier (Steuern, Abgaben, Gebühren), Absolutheitsanspruch (Service public), Dirigismus (Landwirtschaft, Energiewirtschaft, Verkehrswesen), Enteignung (Sozialstaat), Selbstüberschätzung (Gesundheitswesen), Allmacht (Bürokratie) und Paternalismus (Entmündigung und Umerziehung). Unsere Demokratie ist zu einer reinen Fassadendemokratie verkommen und die Leute wählen sich in den Abgrund.  Der sozial-sozialistische Wohlfahrtsstaat ist zu einer schäbigen Wählerbestechungsdemokratie mit schamloser Überschuldung degeneriert.

Die Einführung des Euro diente einerseits der Möglichkeit zum Aufbau weiterer Schuldenpyramiden, andererseits der ökonomischen Ausbeutung Deutschlands durch Frankreich und den „Club-Med“. Die Kaperung deutscher Großkonzerne (siehe VW) durch die „Besatzungsmacht USA“ (Barack Hussein Obama) sei an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt.  Was geschieht, wenn Deutschland irgendwann keine finanziellen Transferleistungen mehr aufbringen kann, um Euro und EU zu finanzieren? (Die deutschen Exporterlöse sind ja bereits in den sog. Target-2-Salden weitgehend verloren.)

Die Analyse der Reaktionsmechanismen der politisch-medialen Herrschaftsklasse lassen statt des plötzlichen Zusammenbruchs eher eine zeitlich gestreckte, stetige Abwärtsentwicklung erwarten:

Es wird immer weniger gelingen, sich aus dem Teufelskreis niedrigen Wachstums, noch niedrigerer Zinsen und niedriger Inflation im Konsumgüterbereich zu befreien. Schwache Unternehmen und Banken binden immer mehr Ressourcen, höher rentierliche Projekte bleiben dagegen auf der Strecke. Wenn der Zins unter dem Wachstum liegt, kann die Rentabilität rechnerisch nahezu beliebig über die Hebelwirkung immer höherer Fremdverschuldung gesteigert werden. Statt realwirtschaftlich produktive werden schuldenfinanzierte Finanzinvestitionen durchgeführt. Fremdfinanzierte Immobilien- und Wertpapierdeals sowie schuldenfinanzierte Aktienrückkäufe durch die Unternehmensleitungen erscheinen attraktiver als Investitionen zur Erweiterung des Kapitalstocks oder zur Steigerung der Produktivität in der Realwirtschaft. Der digitale Finanzsektor bläht sich immer mehr auf, während die Produktion von Gütern und nicht-finanziellen Dienstleitungen verkümmert. Die Spaltung in „arm“ und „reich“ nimmt zu, denn die Einkommens- und Vermögensverteilung verschiebt sich von den im nichtfinanziellen Sektor beschäftigten Lohnempfängern mit Geldersparnissen zu den Akteuren im Finanzsektor und Besitzern von Vermögenswerten.

Es kommt insgesamt zu einer immer weiter fortschreitenden „Finanzialisierung“ (Thomas Mayer) der Wirtschaft.

Diese „finanzialisierte“ Wirtschaft hängt am Tropf der Zentralbanken, die auf Weisung der Regierungen für künstlich niedrige Zinsen sorgen. Eine spätere Rückkehr zu normalen Zinssätzen (Zinserhöhung) ist nicht mehr möglich, weil dies automatisch zu Staatspleiten, massenhaften Unternehmenspleiten und vielen Privatkonkursen führen würde. Die ganze Wirtschaft versumpft also zwangläufig weiter.  Die politische Klasse zieht einen langsamen aber stetigen Niedergangsprozess einem plötzlichen Crash nach Kräften vor, würde ein plötzlicher Kollaps nämlich Gefahr ihres eigenen Untergangs bedeuten. Insofern sollte man sich eher auf das Szenarium einer immer weiter fortschreitenden „Finanzialisierung“ statt eines Crashs einstellen.

Irgendwann werden die besitzlosen Lohnempfänger Schutz durch Handelsprotektionismus und die Rückkehr zur sozialistischen Staatswirtschaft inklusive Enteignung fordern. Diejenigen, die zu Recht darauf hinweisen, dass es nicht Marktwirtschaft und Kapitalismus sind, die die Probleme verursachen, sondern die sträfliche Missachtung aller ordnungspolitischen Grundsätze, werden von der öffentlichen Meinung im Zeichen der „political correctness“ einfach abgebügelt. Die sattsam bekannten Scharfrichter und Dompteusen der öffentlichen Meinungsmache diskriminieren andere Meinungen gnadenlos.

Flankiert wird der stetige Niedergang der Wirtschaft durch den entsprechenden gesellschaftlichen und geistigen Zerfallsprozess, den die Medien geschickt orchestrieren und zu dem selbst die Amtskirchen ihren Teil beitragen. Genderwahn, Klima-Ideologie, Holocaust-Religion und Gutmenschentum-Hysterie sind klare Anzeichen von Dekadenz und Verdummung.

Das umerzogene und zum „Migrationsmekka“ degradierte Deutschland sehnt den kollektiven Selbstmord herbei. Die EU in Brüssel wird es freuen, ebnet es doch den Weg zur „EUdSSR“. Wir werden also in Zukunft nicht nur Ersparnisse und Wohlstand einbüßen, sondern viel schlimmer: unsere persönliche Freiheit.  Bleibt fast nur noch die Hoffnung auf ein Wunder. Immerhin ist man darin als rheinischer Katholik ja nicht ganz ungeübt.

Prof. Christoph Braunschweig, 11.5.2019

 

Christoph Braunschweig: Das deutsche Narrenschiff. Wie feige Karrieristen, selbsternannte Intellektuelle und politisch korrekte Gutmenschen unser Land ruinieren, FinanzBuch Verlag, München 2015, ISBN 978-3-89879-909-6

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3 Responses to EU: Schleichende „Finanzialisierung“ statt Crash?

  1. Urs Bolender sagt:

    Nach Claus Vogt & Co soll es nach 6 jähriger Konsolidierung des Goldpreises – seit Juni 2013 – auch wieder ab kommender Woche / Mitte Mai bergauf gehen; das wird dann wohl eine ganz neue Phase in der Neuordnung des Finanzsystems einleiten?

  2. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Seit der Einführung des Euro war mir klar, das es irgendwann abwärts geht. Durch den Euro und der EU ist auch die Demokratie gefährdet.
    Die Aussage von Claus Vogt & Co, dass es wieder bergauf gehen soll, bleibt abzuwarten. Gesagt wird viel!
    Die Politik und die Banken werden sich da schon wieder irgendwas einfallen lassen.

    JWG

  3. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Das Finanzsystem ist so ausgerichtet, das es immer die Armen trifft und nicht die Reichen.

    JWG

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