Der größte Kunstfehler in der Psychiatrie

Im Studium (ca. 1974) hatte ich innigen Kontakt mit am Sacco-Syndrom Erkrankten, Patienten also, die (oft verdrängte) Ängste vor jenseitigen Strafen aufweisen. Ich arbeitete damals unter Prof. Bürger Prinz auf der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des UKE Hamburg. Ein ca. 28 Jahre alter Mann glaubte, er habe sich „wider den Heiligen Geist“ versündigt. Insulinschocks. Neuroleptika. Nichts half. Da redete ich ihm die Hölle und seine Angst davor aus. Und zwar gründlich. Und ich merkte: Die Psychiatrie behandelt die Erkrankten falsch, die an einem Sacco- Syndrom leiden.

Statt ausgiebiger Befragung und Beratung über religiöse Traumata schweigt man sich auf diesem Gebiet aus. „Verpönt“ seien Gespräche über Religion, so Psychiatrie-Chefarzt Dr. Manfred Lütz, da man wohl „schlechte Erfahrungen“ mit Religion gemacht habe. Hier klingt Therapeuten-Angst vorm Jenseits bereits an. Ja man stelle als Psychotherapeut das Denken ein, wenn es ans Religiöse gehe, so Prof. Leuzinger-Bohleber als Nachfolgerin Sigmund Freuds in der Die Zeit vom 31. 3. 2010. Und diese Verhältnisse sollen „auch so bleiben“! So habe ich niemals in nunmehr 50 Mediziner-Jahren (!) in einem Arztbrief eine entsprechende religiöse Anamnese gelesen, geschweige denn eine Diagnose, die einer Kirche Schuld an der Erkrankung gegeben hätte. Ja man überweist unärztlich bzw. unwissenschaftlich und natürlich in einem schweren Kunstfehler behaftet, Sacco-Kranke zwecks „therapeutischer“ Gespräche zu den „Verursachern“, wie es hieß, also zum verursachenden Klerus. Das berichtete uns der Psychiater Dr. Rüber-Winterhoff aus Celle. Auch der vortragende Psychiater Dr. Scholz (Villach) überweist Sacco-Kranke zum Klerus. Das berichtet er auf dem Internationalen BDI-Kongress in Alkudia. Ja, er wisse, so Scholz zu mir, dass der Klerus dem Dogma Hölle verpflichtet sei. Man gibt es demnach unumwunden und tatsächlich ohne jegliche Scham zu, Schwerkranke aus dem qualitätsgesicherten Gesundheitssystem zu den „Verursachern“ dieser Erkrankungen abzuschieben. Der Unterschied zum Internisten: Wir schicken Alkoholkranke nicht zwecks „Therapie“ in die nächste Schnapsfabrik.

Die Ursache dieses Fehlverhaltens sind eigene, tief verdrängte religiöse Ängste vor jenseitigen Strafen, also ein eigenes Sacco-Syndrom der Therapeuten. Die drei von der Geistlichkeit ausgedachten Gewaltgötter Jahwe, Christengott und Jesus haben über ihre ihnen zugesprochenen Taten Sintflut, Apokalypse und Hölle die Psychiatrie ängstlich und taubstumm gemacht. 2009 forderte ich vom Präsidenten der BÄK, Prof. Hoppe, die umgehende Unterbindung kirchlicher Trägerschaften psychiatrischer Einrichtungen. Eine Antwort kam nicht. Die Amtskirchen zwingen in ihrer Hochintelligenz sich bei ihnen bewerbende Ärzte und entsprechendes Fachpersonal per Unterschrift in ihr Dogma. Und dort, im Dogma, ist die Hölle im offiziellen heutigen Programm. Da geht man tatsächlich bis hin zur „Zwangstaufe“, bevor eine Stelle vergeben wird. So wird „ungläubigen“ Bewerbern aus der ehem. DDR die Taufe „nahegelegt“. So wird ein freier Beruf unfrei und mundtot gemacht. Kirchenkritische Diagnosen verbittet man sich. Sie kommen nicht vor. Denn bei derartigen Diagnosen müsste man nach dem Verursacherprinzip als Amtskirche für die Behandlungskosten aufkommen. Zeitgleich klärte ich den Dachverband der Psychiatrie, die DGPPN, über die diversen Kunstfehler in der Psychiatrie auf.

Die resultierende Wut war ungeheuer. Man sann auf Rache und kriminalisierte sich gegen mich. Die Nachstellungen halten bis heute an. Schließlich hatte ich den wunden Punkt der Psychiatrie offengelegt: die Erkrankung meiner dortigen Kollegen im Verbund mit ihrem größten Kunstfehler seit 1945.

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9 Responses to Der größte Kunstfehler in der Psychiatrie

  1. Wilfried Müller sagt:

    Vielleicht sollte mal expressis verbis erklärt werden, was das Sacco-Syndrom eigentlich ist?

  2. Ingold sagt:

    Als Pflegefachmann mit Schwerpunkt Psychiatrie erlebte ich die religiös bedingten Erkrankungen hautnah. Ebenso erlebte ich, wie Religion eine Depression verstärkte.

    Erkrankte meinten, sie hätten die Sünde wider den Heiligen Geist begangen.

    Ich erlebte aber auch spottende und dumme Ärzte und dumme Frommen: Ärzte behaupteten, die Religion hätte einen Patienten krank gemacht. Und die Frommen kamen und forderten den Kranken auf, mehr zu beten.

    Fakt war aber: Der Mann hatte einen Hypophysen-Krebs. (Die Hypophyse steuert den Hormonhaushalt.)

  3. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Ein richtiger und guter Psychiater sollte für den Patienten immer die richtige Therapie finden. Wenn es sich um das Sacco-Syndrom handelt, muss sich der Psychiater auch mit der Religion auseinandersetzen, um den Patienten dementsprechend zu behandeln und ihm den Glauben richtig darstellen: Wenn aber in dieser Psychiatrie die Psychiater und die Professoren selbst Gläubig sind und das Thema Religion und Sacco-Syndrom ablehnen, sind Patienten mit Sacco-Syndrom in der falschen Klinik.

    Ein Internist würde niemals einen Alkoholiker zwecks Therapie eine Schnapsfabrik zeigen: Alkoholiker kommen in einer Klinik, wo sie mit anderen Alkoholikern und Ärzten gemeinsam in einer Gruppe Gespräche über Alkohol führen – usw.

    JWG

  4. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Hallo Wilfried! Ich glaube, dass Frank es auch schon mit Nachdruck versucht und erklärt hat, was das Sacco-Syndrom ist. Wenn man aber auf taube Ohren trifft, kann man nichts machen. Das einzige ist, die Öffentlichkeit und die Medien informieren.

    Bemerkung: Über alles will man uns aufklären und weismachen, sobald es aber um Religion geht, blocken viele ab, aus Angst.

    Gruß JWG

  5. Frank Sacco sagt:

    Unter dem Sacco-Syndrom verstehen wir die religionsbedingten psychischen Erkrankungen, denn an sich ist nahezu jede verbreitete Religion fundamentalistisch. So bedroht meine Kirche Kinder mit einem ewigen Feuer. „Diese Botschaft ist verstörend“, schreibt der ehemalige Leiter der EKD, Bischof N. Schneider. Ich habe ihn wegen Kindesmisshandlung angezeigt.
    Leider haben wir keine freien Ärzte (siehe meinen Artikel) und keine freie Presse. Der Fernseh- und Rundfunkrat ist kirchlich besetzt und verhindert das Bekanntwerden des Sacco-Syndroms. Sigmund Freud hatte übrigens eins. Über starke Ängste, wie er schreibt, fiel er immer in Ohnmachten, wenn die Sprache auf einen Gottesmord kam. Er hatte Jahwe umgebracht. Wie? Mit den Worten „Religion ist Wahn“.

  6. Frank Sacco sagt:

    Sehr viele Geistliche finden die ihnen vorgeschriebenen Dogmen selbst widerlich. So schreibt der Mönch Meinrad Dufner uns das Buch „Gottestäter“. Er arbeitet in einer Klinik, die nahezu nur das Sacco-Syndrom behandelt. Lesenswert.

  7. Klarsicht(ig) sagt:

    „Während viele Irrtümer die seelische Gesundheit nicht ernsthaft gefährden, ist es beim Wahn anders. Während Irrtum eine kreative Etappe im Erkenntnisprozess ist, ist Wahn eine Versteifung ins Falsche. Von dem der wahnhaft wird, wird er oft als Befreiung erlebt; was den Wahn erst recht zementiert. Wahn verspricht Gewissheit. So befreit er vom Zweifel. Das macht ihn verführerisch.“

    Quelle: http://www.glaube-und-gesundheit.de/gesundheit.html

    Ich denke, dass z. B. den Bürgern der Stadt Bonn im öffentlichen Raum vor einigen Tagen wohl eine Variante religiösen Wahns aus einer uns fremden Kultur näher gebracht wurde, wie das Video im folgenden Link es beweist.

    Islamische Selbstgeißelung und ein Kind mittendrin !:
    https://www.youtube.com/watch?v=cUiTVxOqGdY

    Gruß von
    Klarsicht(ig)

  8. Frank Sacco sagt:

    Wahn geht oft in die Hose. So der Wahn.: „Der Führer weiß schon,was er macht.“
    Der Wahn: „Ich bin Mutter Maria“, der rettet allerdings vorm „ewigen Feuer Jesu“.
    Viele Grüße an Klarsicht!!!

  9. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Der Wahn: sie nehmen eine innere Stimme wahr, die sie auffordern kann, zu töten oder sich selbst zu töten. Es sind Sekten und Kirchen, die die Menschen in den Wahn treiben, um sie hörig und willig zu machen.

    JWG

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