Die Gottangst unserer Psychiater

Die Gottangst unserer Psychiater (Teil 2)

Übrigens: Der Schwerverbrecher mit dem finalen Genickbruch, der in seiner Anamnese einen versuchten Mord nach § 23 StGB auf dem Gewissen hatte, war König Laios, der leibliche Vater unseres Ödipus. Der hatte ihn als Säugling im Wald aussetzen lassen. Die dortigen Wölfe sollten den Kleinen lebendig auffressen. Der Genickbruch geschah dem Alten also genau richtig. Den richtigen Verbrechern aber, den Geistlichen, geschah natürlich wie immer nichts. Sie hatten dem König über eine „Vorsehung“ vorlügen lassen, sein Sohn Ödipus werde ihn töten, um auf seinen Thron zu kommen. Darum setze Laios sein Kind Ödipus den Wölfen vor. Vorher machte er ihm einen Fuß kaputt. Denn er sollte nicht weglaufen können.

Freud konnte aufgrund eigener Gottangst nicht wahrnehmen, dass bei Ödipus kein Vater-Sohn, sondern ein Gläubiger-Gott-Konflikt vorlag. So konstruierte er den berühmten Kastrationskomplex. Freuds Angst resultierte aus seiner Sünde gegen seinen Gott. Er hatte in einem Gottesmord Jahwe getötet. Er hatte gelehrt, die Sache mit Jahwe sei Wahn. Religion sei eine Geisteskrankheit. Freud fiel im Anschluss immer dann in Ohnmachten, wenn die Sprache auf einen Gottesmord kam. „Ängste“ in einer „kleinen Neurose“ seien es gewesen, die seine Ohnmachten bewirkten, so Freud. Ich bin der erste, der die Neurose Freuds richtig deutete. Die Tiefenpsychologie war bisher der Meinung, Freud hätte seinem Bruder Julius „vergiftete Muttermilch“ gewünscht. Quatsch hoch drei. Denn Freud war da ein Jahr alt. Weiß ein Einjähriger von Giften in Muttermilch?

Nun wird heute allen angehenden Psychiatern in den Hochschulen dieses „Wissen“ Freuds gelehrt. Man schließt sich dem nur allzu gern an. Denn man ist seine religiösen Ängste damit los. So meint man. Doch was wir wirklich glauben, das diktiert uns das Unbewusste. Wir wissen nicht, was wir glauben. Bereits im Hörsaal zogen und ziehen sich die heutigen Psychiater damit die Angstneurose Freud zu. In einer klassischen Übertragung. Die führt sie in ihren größten Kunstfehler seit 1945: Man gibt den „kastrationsfreudigen“ Eltern (oder mutmaßlichen Genen, die man aber noch sucht) regelmäßig die Schuld an der Entstehung psychischer Erkrankungen. Dabei sind es in allermeist die Geistlichen mit ihrer Erfindung böser Göttern. Denn meist erfinden Pfaffen verbrecherische Götter, die sich nicht benehmen können. Die in einem ausgedachten Jenseits foltern. Am liebsten von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und am liebsten mit ewigem Feuer. „So du nicht Buße tust, dein Leib und Seel da brennen muss“, müssen unsere Kleinen heute singen. „Das singen sie doch nur, das glauben sie doch nicht“, meint die Psychiatrie zu den Verbrechen ihres größten Arbeitgebers. Lieber kuscht man, als dass man seine Kündigung erhält.
Ödipus löste seinen Gottkonflikt, indem er der Erfindung Zeus etwas opferte: Seine Augen. Prompt war er geheilt. Die sonst so herzhaft folternden Rachegöttinnen sollen ihm nachmittags Tee gekocht haben. Nein, Ödipus nahm an, das Opfer hätte zur Besänftigung seiner Götter ausgereicht. Freud indes fand Beruhigung im Rauchen. Doch diese Sucht war letztlich sein Tod. Und: Freud wurde, als es ans Sterben ging, sehr kirchenfreundlich. Der alternde Analytiker: Auf keinen Fall dürfe man als Arzt Patienten ihre Religion ausreden. Das ist natürlich Unfug. Fundamentalismus gehört besprochen. Auch religiöser!
Das, was ich regelmäßig in meiner internistischen Praxis mit einer EAT unternehme, dürfe ich also nicht. Doch dahinter steckt die Angst Freuds. Sie ist auch die Angst unserer heutigen Psychiatrie. Die will mir über ein „Gutachten“ jetzt im Juni 2019 die Approbation nehmen lassen. Nicht einmal in 5 % (!) meiner Arbeitszeit dürfe ich mich mit Patienten über ihre Religionsschäden unterhalten! Das sind 18 Minuten am Tag. 5 %? Da bestehe die Gefahr, dass ich mich in einem „geschlossenen Gedankensystem“ bewegen würde, so der Psychiater der Ärztekammer Hannover, Dr. Mayer-Amberg. Ich müsse „stationär“, polterte er. Er plante für mich schon einmal eine Neuroleptikatherapie. Er sprach von Psychose! Nicht ich, er sollte seine Approbation zurückgeben. Der Beruf des Arztes soll kein freier Beruf mehr sein, so das nachfolgende Diktat der Approbationsbehörde NiZzA in Hannover. Kirchenkritik darf nicht sein? Nicht von Ärzten. Ich soll also die Angst – Neurose der Psychiatrie auch mir zu Eigen machen. Ich soll mich ihrem Kunstfehler anschließen. Ich soll Schwerkranke zu den Verursachern abschieben, ja sie wie die etablierte Psychiatrie teilweise bzw. serienweise damit in den Suizidtod treiben. Nein danke. Da gebe ich jetzt lieber meine Approbation her. „Vom Teufel besessen“ seien dann auch die von meinen Kollegen Überwiesenen, so die Diagnose des Klerus. Diese „Diagnose“ ist jedoch eine Fehldiagnose, liebe Psychiater. Denn wenn es den Teufel gäbe, hätte er sich bei mir sicher schon längst vorgestellt.

Patienten mit Gottängsten, so lehrt also die Psychiatrie, gehören zwecks „Gesprächen“ zu den „verursachenden“ Geistlichen überwiesen. Die durch Kirche Erkrankten sollen demnach aus dem qualitätsgesicherten Gesundheitssystem ausgeschleust werden. Man will sie da nicht. Ein Sprechen über Religion ist „verpönt“, denn man müsste ja Religions- und Gottkritik äußern. Der Chefarzt und Autor Dr. Manfred Lütz schreibt, man habe als Psychiater wohl „schlechte Erfahrungen“ mit Religion gemacht. Klar, man hat sie vermutlich, als sie noch sehr empfindliche Kinder waren, mit der Angst vor der Hölle in Kirchen und Synagogen ausgiebig missbraucht.

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7 Responses to Die Gottangst unserer Psychiater

  1. Wilfried Müller sagt:

    Was Frank da schildert, ist ein Skandal. Er bemüht sich, Religionsschäden seiner Patienten zu kurieren und kriegt das von seiner Standesorganisation verboten. Sie wollen ihm über ein „Gutachten“ in diesem Monat die Approbation entziehen.

    Dagegen müssen wir uns wehren! Das geht nicht bloß gegen einen Arzt, sondern es will üblen religiösen Missbrauch zementieren. Ich solidarisiere mich mit Frank Sacco und versuche ihn wenigstens medial zu unterstützen.

  2. Klarsicht(ig) sagt:

    Zitat: „Was Frank da schildert, ist ein Skandal.“

    Stimmt ! Dieser Skandal ist aber mehr oder minder mit den Skandalen verknüpft, die sich z. B. aus den Schriften in den nachstehend aufgeführten Links ergeben. Ich denke, die Links dienen dem hier verfolgten Ziel der Aufklärung.

    Institut für Weltanschauungsrecht klagt gegen Bodo Ramelow:
    https://hpd.de/artikel/institut-fuer-weltanschauungsrecht-klagt-gegen-bodo-ramelow-16854

    Deutsche Bahn bestreitet mangelnde weltanschauliche Neutralität:
    https://hpd.de/artikel/deutsche-bahn-bestreitet-mangelnde-weltanschauliche-neutralitaet-16781

    Jetzt geht’s los: Der erste Tag der Säkularen Buskampagne:
    https://hpd.de/artikel/jetzt-gehts-los-erste-tag-saekularen-buskampagne-16785

    „Deutschland ist ein demokratischer, sozialer und weltanschaulich neutraler Bundesstaat“:
    https://hpd.de/artikel/deutschland-demokratischer-sozialer-und-weltanschaulich-neutraler-bundesstaat-16842

    Angst vor dem Wort „Islam“:
    https://hpd.de/artikel/angst-dem-wort-islam-16790

    Peinliches Armutszeugnis für Justizministerin Hoffmeister:
    https://hpd.de/artikel/peinliches-armutszeugnis-fuer-justizministerin-hoffmeister-16788

    Gruß von
    Klarsicht(ig)

  3. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Wilfried hat recht, das ist ein Skandal: Ich bin fassungslos, wie man mit Frank Sacco umgeht, der nur seine Meinung für eine bessere Behandlung der Patienten vorschlägt. Es ist generell so, wer aufmüpfig wird, wird entlassen oder dessen Approbation entzogen oder ganz entfernt. Das hat für mich, auch wenn manche anderer Meinung sind, nichts mit Demokratie, Humanität, Meinungsfreiheit und Solidarität zu tun. Das ist einfach Willkür und Schikane. Dieses Gutachten, was gegen Frank erstellt werden soll, wird definitiv gegen Frank bewertet.

    In eigener Sache: Meine Erwerbsunfähigkeitsrente läuft seit Viereinhalbjahren und wird von den vorherigen Gutachtern und den jetzigen Gutachtern bestätigt. Jetzt soll ich zum Psychiater, unter dem Motto: Wer einen EMR-Antrag stellt, muss wohl nicht mehr ganz dicht sein.

    Zurück zu Frank: Es wird genauso wie bei mir ablaufen, da steckt ein System dahinter, gegen das man nicht ankommt. Durch Frank Saccos Artikel bin ich so emotional geladen, dass ich meine Worte hier nicht veröffentlichen möchte, weil ZmB solche Ausdrücke nicht wünscht.

    Das ist meine Meinung dazu: Gruß Wolfgang

  4. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Wenn Psychiater Angst vor Gott haben, dann sagt es doch, dass sie Angst vor der Hölle haben. Wenn sie daran glauben, sollten sie einen Psychiater aufsuchen

    Gruß Wolfgang

  5. Frank Sacco sagt:

    Privatdozent Dr. Wedegärtner von der MHH, mein „Untersucher“ also, verbietet mir, am 28.6.19 einen Zeugen meiner Wahl mitzunehmen. Mich dürfe lediglich einen Rechtsanwalt begleiten. Der müsse aber hinter mir sitzen und dürfe keinen Blickkontakt zu mir aufbauen. Die Untersuchung könne über „mehrere Tage gehen“. Wedegärtner ist vom „Zentrum für Seelische Gesundheit“ der Medizinischen Hochschule Hannover.
    Das alles zeigt, wie Recht ich in der Sache habe und wie groß die Angst ist, meine These, dass das Höllenpredigen der Kirchen Krankheiten hervorruft, öffentlich werden könnte.

    So verlautet Prof. Diefenbacher, Berlin, auf einem BDI-Kongress auf Mallorca die These, ein Predigen der Hölle sei kein Trauma für Kinder. So etwas könne keine PTBS nach sich ziehen. Ich habe das die Berliner Psychiater-These genannt. Äußern kassenversicherte Patienten Zusammenhänge ihrer Krankheit mit Glaubensdogmen, „überweist“ die Psychiatrie die Erkrankten. Wohin? Sie überweise, so der vortragende Psychiater Dr. Rüber-Winterhoff auf einer Fortbildungsveranstaltung im Dez. 2011 im Landkreis Celle, zu den „Verursachern“ der Erkrankung, also zum Klerus.

  6. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Hallo Frank! Dass man keinen Zeugen mitbringen darf, das ist ja schon eine Frechheit, aber das der eigene Anwalt hinter einem sitzen muss, und Du mit ihm keinen Blickkontakt haben darfst, das ist eine absolute Demütigung.

    Früher nannte man die Ärzte noch ″die Götter in weiß″, – heutzutage, das bemerke ich bei meinen Ärzten, geht es nur noch um Gewinnmaximierung. Die bestellten Gutachter und Psychiater von staatlicher Seite aus, kann man vergessen, sie sind nur auf das hohe Honorar aus, was sie für Ihr vorgegebenes Gutachten bekommen. Das ist meine Erfahrung und meine Meinung.

    Gruß Wolfgang

  7. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Vergiftete Muttermilch gibt es nicht, es sei denn, man hat sie vergiftet. Wie kann der Glaube einen Menschen nur so kaputt machen. Was die Kirche mit ihrer Religion anrichtet, ist aus meiner Sicht strafbar. Warum erkennt das die Politik nicht?

    Gruß Wolfgang

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