Poppers Offene Gesellschaft und Hayeks Erweiterte Ordnung

(Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung vom Paolo Calleri)

Die Offene Gesellschaft von Karl Popper (1902 – 1994) besteht weitgehend aus Anforderungen an ein Modell der Gesellschaft in der Tradition des Liberalismus, das zum Ziel hat, die kollektiven Fähigkeiten der Bürger freizusetzen.[1] Die Gewalt des Staates soll dabei so weit wie möglich beschränkt und aufgeteilt werden, um ihren Missbrauch zu verhindern. Sie ist ein demokratischer Gegenentwurf zu den Diktaturen seiner Zeit. Unter Demokratie versteht Popper aber nicht die Herrschaft der Mehrheit, sondern die Möglichkeiten, die Regierung gewaltfrei abwählen zu können.

Die Offene Gesellschaft steht im Gegensatz zur geschlossenen Gesellschaft, die einen für alle verbindlichen, ideologisch oder gesinnungsethisch begründeten „Heilsplan“ verfolgt, „Das sogenannte Gute“, wie Gerhard Szczesny getitelt hat (Rowohlt 1971). Die geschlossene Gesellschaft führt nach Popper früher oder später zur Diktatur.

Vor dem gleichen Hintergrund hat Friedrich Hayek sein Modell der Erweiterte Ordnung des menschlichen Zusammenwirkens entwickelt. Als Beispiel hatte er dabei der Kapitalismus im Visier.[3] Beide Modelle richten sich gegen das Übel der zentralistischen Parteidiktaturen und plädieren für den Pluralismus in der Gesellschaft, der durch die Emanzipierung der Individuen sowie ihre Freiheit und Subsidiarität freigesetzt werden kann. Da seither viele Jahrzehnte vergangen sind, habe ich einige Aspekte der Erweiterte Ordnung an ein modernes Verständnis der Strukturen und Prozesse der Gesellschaft angepasst.

Zu diesem Artikel hat mich ein Vortrag von Prof. Klaus Zapotoczky über Poppers Offene Gesellschaft im Juni 2019 beim Hayek-Club Salzburg angeregt.

Popper und seine Philosophie

Das totalitäre Denken in Europa hat aus Sicht Poppers seinen Ursprung in den frühen Stammesgesellschaften der Menschheit, bei denen Natur und Gesellschaft von höheren Mächten bestimmt werden. Später kam Platons Ideenlehre hinzu, und sein Konzept der Unveränderlichkeit eines Staates sowie der Souveränität seines Führers. Seine Vorstellungen wurden u.a. von Hegel, Schopenhauer und Marx fortgeschrieben. Großen Einfluss hatte dabei der Historizismus, der aus der Vergangenheit deterministische Gesetzmäßigkeiten für die Zukunft ableitet. Basis dafür war die damals noch vorherrschenden deterministische Physik. Das Individuum ist in historizistischen Staatsphilosophien unwichtig; die wichtigen Veränderungen gehen von charismatischen Führern und herrschenden Klassen aus und spielen sich in anderen Dimensionen ab als das Alltagsleben. Popper “… viewed modern Western liberal democracies as open societies …” “Their value resided principally in the individual freedom that they permitted and their ability to self-correct peacefully over time.”[2]

Popper hat in seinem umfangreichen Werk [1], das er auch mehrfach aktualisiert hat, viele differenzierte Aussagen gemacht, die z.T. im Widerspruch zu (neo-)liberalen Überzeugungen stehen. Das Buch wurde 1945 veröffentlicht, hat aber erst ab den 1960er Jahren nachhaltig gewirkt; es wurde deshalb  als „ideengeschichtlicher Langzeitdünger“ bezeichnet.

Die bevorzugte Philosophie Poppers war der Kritische Realismus, besonders in der Politik: Erkenntnis gewinnen beginnt mit Vermutungen, die kritisierbar sein müssen und auch kritisch hinterfragt werden. Er befürwortet eine (offensichtlich nicht-empirische) „Wissenssoziologie, bei der der soziale Standort des Denkers ein ganzes System von Meinungen und Theorien bestimmt“. Er betont aber immer wieder, dass auch in der Gesellschaft die (natur-)wissenschaftliche Methode unabdingbar sei.

Seither hat sich ein tiefgreifender Wandel des Weltbildes der Naturwissenschaften vom klassisch-deterministischen zum prozessorientierten und von Wahrscheinlichkeiten bestimmten Verständnis vollzogen, mit entsprechenden Auswirkungen auf ein zunehmend empirisches Verständnis der Strukturen und Prozesse der Gesellschaft.[4] Für die Erfahrungswissenschaften hat schon Popper gefordert: Empirische Erkenntnisse müssen falsifizierbar sein, um von der Metaphysik abgegrenzt werden zu können.

Voraussetzungen für die Offene Gesellschaft nach Popper

V1: Die Emanzipation des Individuums als Ergebnis der Aufklärung. Voraussetzungen dafür sind die Freiheit, die Meinungsfreiheit und freie Wissenschaft, d.h. ein intellektueller Meinungsaustausch, der kulturelle Veränderungen ermöglicht

V2: Hat die Weltgeschichte einen Sinn? Nein, denn die Geschichte ist ein offener Prozess ohne vorherbestimmbaren Ausgang. Ganzheitliche (holistische) weltanschauliche Lösungen sind nicht falsifizierbar und führen zu Utopien.

V3: „Bis heute (Anm. 1945) habe sich die Menschheit nicht vom Trauma des Übergangs aus der Stammes- oder geschlossenen Gesellschaftsordnung zur offenen Gesellschaftsordnung erholt, die die kritischen Fähigkeiten des Menschen freisetzt“

V4: „The fact that institutions are filled with human beings results in a certain degree of unpredictability in their operation.”[1]

Popper betont übrigens, dass nur folgende Gegensätze zutreffen: Individualismus vs. Kollektivismus und Egoismus vs. Altruismus, nicht aber Individualismus vs. Altruismus. Echter Altruismus kann sich nach Popper nur auf konkrete Individuen beziehen, nicht auf anonyme Gruppen.

Von Stefan Brunnhuber (Die Offene Gesellschaft im 21. Jhdt., Oekom 2019), dem es primär um die Auseinandersetzung mit Autokratien in unserer Zeit geht, stammt die treffende Formulierung „Der größte Feind der offenen Gesellschaft ist die Bequemlichkeit der Einzelnen.“ Denn Freiheit kann Angst machen, und dadurch die Sehnsucht nach dem Leben in einer geschlossenen Gesellschaft fördern. Ein Beispiel ist die Angst vieler DDR-Bürger nach der Wende vor dem selbst zu verantwortenden Leben in der freiheitlichen Gesellschaft der BRD.

 Poppers Anforderungen an die Offene Gesellschaft

 A1: Es gibt keine höheren Mächte, alle Macht liegt bei den Menschen.

Ein Staat muss minimal sein:

A2: Er ist nur gerechtfertigt, wenn er im Sinne einer liberalen Demokratie die Interessen seiner Bürger vertritt und Treuhänder ihrer individuellen Freiheit ist.

A3: Er muss so konstruiert sein, dass auch schlechte Machthaber wenig Schaden anrichten können. Alle Theorien souveräner Herrschaft haben in der Geschichte versagt.

A4: Tyrannei und Machtmissbrauch muss durch eine wirksame Gewaltenteilung verhindert werden; die Machthaber müssen ohne Blutvergießen abgesetzt werden können. “Even if only a few of us are capable of devising a policy or putting it into practice, all of us are capable of judging it.”

A5: Der Staat muss veränderbar sein und seine Fehler selbst korrigieren können, sollte aber nur schrittweise verändert werden. “Remodeling the whole of society in accordance with a definite plan or blueprint means utopian social engineering, as opposed to social planning that aims at gradual and limited adjustments.”

A6: In der Marktwirtschaft betrachtet Popper “… economic freedom as important mainly for its role in producing wealth, rather than as an important end in itself.”

A7: “The principal aim of politics should be to reduce suffering rather than to increase happiness (Negativer Utilitarismus [1]), … eliminating such readily identifiable and universally agreed upon sources of suffering as poverty, unemployment, national oppression, war, and disease.”

A8: Der Staat wird benötigt, um Schutz vor der Tyrannei anderer Staaten zu gewährleisten.

Die Bürger regieren zwar nicht selbst, müssen aber die Regierenden kontrollieren. Sie müssen also alle politisch relevanten Fakten und Zusammenhänge kennen, kritisch urteilen können und entsprechend handeln (vgl. Gelbwesten in F; Gegenbeispiel Fridays for Future wegen offensichtlich unzureichender Kenntnisse im Vergleich zum Fanatismus der Beteiligten):

A9: Sie haben letztlich die Verantwortung für die Geschichte. Sie müssen handeln, einzeln und in der Gemeinschaft: „Die einzige rationale Einstellung zur Geschichte … besteht in dem Eingeständnis, dass wir Menschen es sind, die für sie die Verantwortung tragen, …“[1]

A10: Sie müssen persönliche Entscheidungen treffen und dabei auch soziale Schranken überwinden können.

A11: “Freedom and social progress ultimately depended upon the (application of the) scientific method.”[1]

“Good public policy in a democracy would result not so much from the superior wisdom or character of its leadership but rather from their commitment to the scientific method.” Wenn die Voraussetzungen und Anforderungen der Offene Gesellschaft erfüllt werden, „… können wir sogar die Weltgeschichte rechtfertigen. Sie hat eine solche Rechtfertigung dringend nötig.“[1]

Vergleich mit Hayeks Erweiterter Ordnung [3, 4]

Die Voraussetzungen von Poppers Offene Gesellschaft treffen weitgehend auch für Hayeks Erweiterte Ordnung zu.

V2 und V4 werden in der Erweiterte Ordnung bei der kulturellen Evolution der Gesellschaft explizit durch die Wirkungen der selbstorganisierten Prozesse als Hayeks „spontane Ordnung“ einbezogen.

Bei V3 sieht Hayek das Problem vor allem in den Diktaturen seiner Zeit.

Bei den Anforderungen gibt es viele Übereinstimmungen wie: Minimaler Staat, liberale Demokratie, Staat als Treuhänder der individuellen Freiheit, wirksame Gewaltenteilung, Verantwortung aller Bürger usw.

A1: Die „höheren Mächte“ spricht Hayek m.W. nicht an.

Unterschiede sehe ich in folgenden Punkten:

A5: Hayek hat mit seinem „Rat der Weisen“, der Mt. Pèlerin Society, einen liberalen Blueprint der modernen Industriegesellschaft erarbeitet, als Alternative zu den zentralistischen Staaten seiner Zeit. Um den Missbrauch der Staatsmacht zu verhindern, fordert Hayek eine Starke Verfassung, die im Sinne Immanuel Kants von den Politikern nicht geändert werden kann. (Wer schützt gegenwärtig das Grundgesetz vor den Parteien im Bundesverfassungsgericht?)

A6: Die Marktwirtschaft ist in der Erweiterte Ordnung nicht auf die Realwirtschaft beschränkt.

A7: Der negative Utilitarismus spielt in der Erweiterte Ordnung keine Rolle; Hayek ist gegen das Wieselwort „sozial“ und seine Auswirkungen. In seiner Freiburger Zeit hat er aber zum Ordoliberalismus beigetragen und bspw. einen Mindestlohn befürwortet.

A8: Die Tyrannei anderer Staaten ist in der Erweiterte Ordnung meines Wissens (noch) kein Thema.

A11: Hayek hat seine Kenntnisse der emergenten Prozesse und der Komplexität zwar in die Erweiterte Ordnung eingebracht, den wissenschaftlichen Methoden aber keinen so dominanten Stellenwert in der Gesellschaft eingeräumt wie Popper.

Vergleich mit der gegenwärtigen Situation in der BRD

Die Voraussetzungen der Offene Gesellschaft werden in der BRD seit Jahrzehnten immer mehr eingeschränkt, sie ist auf dem Weg zu einer geschlossenen Gesellschaft:

V1: Der „zulässige Debattenraum“ (Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Westend 2018) wird gesinnungsethisch immer mehr beschränkt.

V2: Der Sinn der Gesellschaft droht zwischen dem extremen Neoliberalismus einerseits und der sozialromantischen, neokommunistischen Ideologie von Rot-Grün andererseits zerrissen zu werden. Der offene Prozess wird durch deren gesinnungsethische Vorgaben verhindert.

V3: Dadurch droht die Gefahr einer Rückkehr zur geschlossenen Gesellschaft einer Parteiendiktatur,

V4: … verbunden mit der Gleichschaltung und weitgehenden Entmündigung der Bürger durch deren Ideologien.

Im Hinblick auf die Anforderungen der Offene Gesellschaft sehe ich den Trend in der BRD wie folgt:

A1: Höhere Mächte wie die Religionen und die USA haben einen zwar verdeckten, aber großen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

A2: Die Bürger werden mehr und mehr zu Objekten politischer und wirtschaftlicher Ideologien, vgl. Anmerkung zu V2.

A3 und A4/Gewaltenteilung: Das deutsche Grundgesetz konnte und kann den Machtmissbrauch durch die etablierten Parteien nicht verhindern. Es ist deshalb unzureichend und sollte durch eine geeignete Starke Verfassung ersetzt werden [3, 4], vgl. Karikatur von Calleri. Es ist eine Illusion, die Machthaber gewaltfrei abwählen zu können, wenn die etablierten Parteien bei allen wichtigen Themen die gleichen Ziele haben und die M-Medien, die wie die Rundfunkräte von den regierenden Parteien dominiert werden, sie mit desinformativer Propaganda unterstützen.

A4/Urteilsvermögen der Bürger: Es ist unzureichend wegen der Desinformation durch die M-Medien und wegen des Desinteresses der meisten Bürger an der Politik aufgrund der Reizüberflutung der Medien, des schuldenfinanzierten Wohlstands und der fehlenden direkten Demokratie.

A5: Die Gesellschaft der BRD ist seit längerem nur noch zu Gunsten der herrschenden Ideologien veränderbar, vgl. Anmerkung zu V1 und V2.

A6: Die freiheitliche Marktwirtschaft wird wie eine „Religion“ (Alexander Rüstow) auch dort angewendet, wo sie nicht hingehört, beispielweise für die unmoralischen spekulativen „Wetten“ der Investmentbanken (mit staatlicher „Vollkaskoversicherung“) und die einseitige Auflagen- und Einschaltquoten-Orientierung der M-Medien.

A7: Wie in V2 angesprochen, gibt es divergierende Ziele: Negativer Utilitarismus durch Nivellierung und Anspruchsdenken durch die Sozialromantiker, unbeschränkte Bereicherung (auch zu Lasten der Allgemeinheit) durch den extremen Neoliberalismus.

A8: Der Schutz vor den aggressiven hegemonialen Interessen der USA ist nicht gewährleistet.

Die Bürger haben so gut wie keine politischen Kontroll- und Mitwirkungsmöglichkeiten, und deshalb auch keine Interesse daran:

A9: Da die Bürger ständig der Regierungspropaganda ausgesetzt sind, kaum demokratische Einwirkungsmöglichkeiten haben und durch Reizüberflutung und Wohlstand ruhiggestellt sind, nehmen sie ihrer Verantwortung nicht wahr.

A10: Persönliche Entscheidungen können sie nur den kleinsten persönlichen Umfeld treffen; Entscheidungen, die die Politik beeinflussen, sind praktisch nicht möglich.

A11: Wissenschaftliche Methoden kommen immer weniger zur Wirkung, weil ihre Ergebnisse durch die Desinformationsmethoden der Medien gefiltert werden und nicht zur öffentlichen Meinung werden können.

Poppers Begriff „offen“, der nicht gegenständlich gemeint ist, wird offenbar in der BRD und anderswo zu Unrecht auch auf offene Grenzen und offene Sozialsysteme übertragen, wie im Fall der Migration und beim Anspruch auf bedingungslose Sozialhilfe. Dabei wird nicht beachtet, dass die Kombination von beiden einen Staat in den Ruin treiben kann, finanziell und auch gesellschaftlich (G. Hardin: The Tragedy of the Commons; Science Nr. 162, 1968).  Schon Popper weist darauf hin, dass „Uneingeschränkte Toleranz mit Notwendigkeit zum Verschwinden von Toleranz führt.“[1]

Auch in der EU sind die Anforderungen A1 bis A11 nicht erfüllt bzw. nicht gewährleistet, meist in noch höherem Masse als in der BRD. Demokratie und Gewaltenteilung sind in der EU nur als Potemkin‘sche Dörfer anzusehen.

Allgemeine Bewertungen der Offene Gesellschaft

  • Kritisiert wurde an der Offenen Gesellschaft unter anderem, dass Popper sich zu sehr auf die Menschen als Individuen konzentriert und die Bedeutung sozialer Bindungen und gesellschaftlicher Dynamiken vernachlässigt. Die Erweiterte Ordnung ist darin besser [4].
  • Da Popper viele und sehr differenzierte Aussagen gemacht hat, wird er nicht nur von Liberalen, sondern auch von Konservativen („… the importance of tradition for ensuring order, stability and well-functioning institutions. People have an inherent need for regularity and thus predictability in their social environment …“) und Sozialisten (z.B. wegen seines negativen Utilitarismus und Interventionismus) als Verbündeter beansprucht. Aber:
  • “Freedom is more important than equality, and the attempt to realize equality endangers freedom.”
  • “Most of his published work addressed philosophical problems in the natural sciences, especially physics, because of his primary interest was nature and not politics.” [2]
  • “His most important political texts … offer a kind of unified vision of science and politics.” [2]

George Soros gründete 1993 in New York das Open Society Institute als Instrument der privaten „demokratischen Entwicklungshilfe“. Es ist seither überwiegend in den Ländern des ehemaligen Ostblocks tätig und versucht dort, die Bürger im Sinne der Heilslehren der USA zu beeinflussen.

Quellen:

 [1] K. Popper: Die Offene Gesellschaft und ihre Feinde, Mohr Siebeck 2003; Band 1: Der Zauber Platons; Band 2: Falsche Propheten: Hegel, Marx und ihre Folgen

[2] W. Gorton: Karl Popper: Political Philosophy; https://www.iep.utm.edu/popp-pol/

[3] Fr. Hayek: Die verhängnisvolle Anmaßung, Mohr Siebeck 2011

[4] G. Dedié: Gesellschaft ohne Ideologie – eine Utopie? Was die Naturwissenschaft von heute zur Gesellschaftsordnung von morgen beitragen kann, tredition 2019

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4 Responses to Poppers Offene Gesellschaft und Hayeks Erweiterte Ordnung

  1. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Die Macht liegt bei den Menschen, das sehe ich genauso: Man hat es in der DDR erlebt, was Menschen erreichen können. Ich glaube nicht, dass die DDR-Bürger vor der freiheitlichen und offenen Gesellschaft Angst hatten. Die DDR-Bürger wollten ja in die BRD und in Freiheit leben. Ich denke, dass die DDR-Bürger, durch die gewonnene Freiheit, sich in der BRD erst einmal zurechtfinden mussten – aber Angst, das glaube ich nicht.

    Dein Artikel gefällt mir, Günter!

    Das Bild, Zitat: (Grundgesetz) ″Ist das Kunst oder kann das weg″? Finde ich super!

    Gruß Wolfgang

  2. Günter Dedie sagt:

    Hallo Wolfgang, „Sorge“ statt „Angst“ wäre wahrscheinlich angemessener gewesen. Ich hatte nach der Flucht aus der DDR zu Beginn meines Studiums jedenfalls Sorgen, ob ich das Richtige studiere und danach eine Arbeit finden werde.

    Freiheit wollten natürlich alle haben, aber nicht so gern selbst für ihren Lebensunterhalt verantwortlich sein. Und nicht unter dem „Leistungsdruck“ in den alten Bundesländern. Ich habe nach der Wende in München einige Leute aus Sachsen-Anhalt gekannt, die das so gesagt haben.

    Ansonsten danke für die Anerkennung.

  3. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Lieber Günter, den ″Leistungsdruck″ in den alten Bundesländern wie Du sagst, sehe ich etwas anders: Natürlich ist alles schnelllebiger in den alten Bundesländern, als es in der DDR war, aber das war nicht der Hauptgrund: der Hauptgrund war, dass der erlernte Beruf in der DDR nicht dem Standard der alten Bundesländer entsprach: z. B. Autoschlosser aus der DDR, die sich nur mit Trabant und Wartburg auskannten, aber nicht mit der Technik und Elektronik der West-Autos vertraut waren: Also mussten sie viele Schulungen und Lehrgänge absolvieren, was ich nicht als ″Leistungsdruck″ empfinde – dies betraf übrigens alle Berufe. Ich habe im Westen Autoschlosser gelernt und musste mich stetig weiterbilden und Schulungen absolvieren, weil sich die Autos und die Technik weiterentwickelt haben – für mich war es anstrengend aber kein Leistungsdruck.
    Wir hatten einige Autoschlosser aus der DDR beschäftigt, sie hatten keinen Druck, sie waren fleißig, waren aber mit der neuen Situation überfordert. Nach Schulungen usw. lief dann alles reibungslos.

    Gruß Wolfgang

  4. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Nachtrag:

    Nach Deiner Flucht aus der DDR denke ich, dass Du alles richtig gemacht hast und deine Sorge unbegründet war, Günter. Du hast dein Studium gemacht und ein gesundes Denken und Wissen – da müssen andere erstmal hin.

    Gruß Wolfgang

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