Das metamurphysche Prinzip

Murphys Gesetz (Murphy’s Law) funktioniert nicht immer. Das ist sozusagen systembedingt, denn es heißt  „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ („Whatever can go wrong will go wrong.“) Klar, dass manchmal auch das Schiefgehen schiefgeht. Schief plus schief ist (manchmal) gerade (Bild: geralt, pixabay).

Das metamurphysche Prinzip hängt mit Murphy’s Law zusammen. Deshalb funktioniert es auch nicht immer, aber wenn es funktioniert, dann wird es immer schlimmer. Denn es ist keine Ironie, sondern traurige Realität.

Um zu beschreiben, wie die heutige große Politik funktioniert, werden neue Begriffe nötig. Den Begriff metamurphysch prägte Wilfried Müller auf Anregung von Günter Dedié, um solche Dinge wie die Euroland- und Klima-Retterei sowie die Asylpolitik in Worte zu fassen. Diverse ZmB-Artikel deklarierten alles dreies als politischen Machbarkeitswahn – dabei ist das letztlich noch untertrieben. Denn es geht nicht wirklich darum, etwas zu machen und Probleme zu lösen. Das Procedere ist ein anderes. Es geht nicht ums Problemlösen, sondern ums Tun als ob. Das Wesen des Metamurphyschen ist die Problemkultivierung:

Es geht schief, aber es soll schiefgehen, um davon zu profitieren.

Das Kalkül der metamurphyschen Machtergreifung geht so: Ökonomische und ökologische Logik wird durch politische Willkür ersetzt. Die Folge sind unendliche Reparaturanstrengungen, um die Realität an die Willkür anzupassen statt der Logik zu folgen. Weil das eigentliche Problem politisch sakrosankt ist und nicht ernsthaft bearbeitet werden darf, zieht die Reparatur („Rettung“, „Schutz“, „Hilfe“) endlos weitere Kreise.

  • Euro-Pleitestaaten dürfen keinen Konkurs machen, so dass nie der nötige Druck auf Restrukturierung kommt,
  • der Klimaschutz klammert die Bevölkerungsexplosion als Ursache aus und unternimmt keine Anstrengungen zur Geburtenkontrolle,
  • im Fall der Migration wird mit der Bevölkerungsexplosion sogar die Hauptursache ignoriert, statt erst recht in Geburtenkontrolle zu investieren.

Mit allen Mitteln wird die Willkür vor der Realität gerettet. Das geht von Nacht- und Nebelaktionen bis zu Klimagipfeln, zu denen man maximal klimaschädlich im Privatjet andüst. Beim Metamurphyschen muss die Rede von Ideologien sein. Ideologien sind es, weil sie die logischen Zusammenhänge und Folgen ignorieren. Sie gestatten keine nüchterne Abwägung von Vorteilen und Nachteilen, Kosten und Nutzen, eigenen und fremden Interessen:

  • Der Euro ist gut, das Euroland muss sich dem Euro anpassen, basta.
  • Dem Klima geht’s schlecht, man soll auf alles verzichten – außer auf Kinder.
  • Die unbeschränkte Zuwanderung ist gut, Deutschland muss sich den Zuwanderern anpassen, pronto, finito.

Was die hiesigen Menschen wollen, spielt keine Rolle. Dass sie sich bei Geburten zurückhalten, wird durch unbestellte Zuwanderung konterkariert. Über die wichtigen Themen abstimmen darf der Staatsbürger nicht. Er wird politisch „überzeugt“, und wenn nicht, ist es auch egal. Das Geld verwalten ja die Metamurhys, nach dem Motto: Koste es euch, was es wolle.

Diese Verhältnisse kamen nicht mal geplant zustande, in Form einer perfiden, wohlüberlegten Ideologie. Die metamurphyschen Zustände sind der Politik eher in den Schoß gefallen, quasi als Belohnung für Dilettantismus und Abgehobenheit der Politik. Dabei müssen die einzelnen Politiker durchaus nicht unfähig sein. Nur als Gemeinschaftsleistung liefern sie nun mal Pfusch ab, getrieben vom Fraktionszwang, geknetet von der Lobby, befördert von bürokratischer Intransparenz und ungeliebt vom Wähler. Keine Verantwortung bremst sie, außer der für ihre Wiederwahl. Und nun haben sie ihren kollektiven Dilettantismus metamurphysch instrumentalisiert und institutionalisiert.

Sie tun einfach das, was sie am besten können, das Pfuschen und vor allem das Weiterpfuschen. Das wird ihnen zur Quelle von ständiger Medienrepräsentanz, von Macht und Ansehen. Wie sich gezeigt hat, spielt es überhaupt keine Rolle, wenn sie nur Probleme lösen, die sie selber geschaffen haben. Und die Probleme werden nicht mal gelöst, weil es immer nur um Aufschub geht. Die meisten Bürger bzw. Wähler wollen das nicht wahrhaben. Sie zucken nicht mal mehr, wenn die Probleme immer nur mit Geld zugeschüttet werden.

Es geht schief, aber es soll schiefgehen, um davon zu profitieren – das metamurphysche Prinzip ist ein Selbstläufer. Es bedarf bloß einer stillschweigenden Agendasetzung, die dergleichen selbstverständlich niemals eingesteht. Die klandestine metamurphysche Agenda funktioniert. Sie lullt alle ein, Regierung, Medien, Parlamentarier; letztere fungieren als braves Stimmvieh. Primär nach Parteibuch und Eloquenz ausgewählt, realisieren sie oft nicht, was vorgeht. Es wird gelogen und betrogen, um die Wahrheit zu verschleiern – mit vollem Erfolg.

Was eigentlich durch ordentliche Gesetze und Regeln gelöst gehört, ist nun dauerhaft politischer (Ver-)Handlungsspielraum. Die Regeln sind aufgehoben nach 40 Jahren Deregulierung; und nun ist es de facto unmöglich, neue Regulierungen zu machen, die nicht von der Lobby ausgehöhlt werden. Wunder was, die Lobby sitzt ja in den Euroland-Institutionen drin, der Noch-EZB-Chef Draghi ist ein Bankenlobbyist sondergleichen, und der Noch-EU-Kommissionschef Juncker hat sich als großkalibriger Steuerfluchthelfer profiliert. An der deutschen Regierungsspitze hat sich mit der Noch-Kanzlerin Merkel eine Migrationslobbyistin festgesetzt, und dabei sind die Grünen noch nicht mal in der Regierung drin. Schon so scheint es unmöglich, bei der deutschen Asylpolitik vergleichbare Regeln (sprich Einwanderungsgesetze) wie andere Staaten zu implementieren.

Deshalb ist es jetzt unser Normalzustand, dass metamurphysch gearbeitet wird. Der unendliche Pfusch ist das Vehikel für immer weitere Machtergreifung, weil er immer mehr Korrekturversuche nach sich zieht. Und wenn die Korrekturen Pfusch sind, brauchen sie noch mehr Korrekturversuche usw. usf. Das ist ideal für die Metamurphys, weil die Probleme alle paar Wochen neu hochkochen, ohne dass sie extra was dafür tun müssen. An der Euro-Front zeigt Italien Rettungsbedarf, Frankreich wackelt, und bei Spanien und Portugal sieht es auch nicht gut aus. An der Klimafront wird viel gegipfelt und wenig bewirkt, und wenn mal was gemacht wird, dann was Falsches wie Atomausstieg und Dieselverbote. An der Asylantenfront herrscht trügerische Ruhe. Die vorhandenen Strukturen sind schon zur beliebigen Nutzung freigegeben, die Gelder fließen bereits üppig. Gegenmeinungen stehen immer noch unter Tabu, dadurch sind weitere Probleme in Hülle und Fülle programmiert.

Das bedeutet viel Freiraum für die Metamurphys. Überall sind neue „Rettungs“-Taten erforderlich, die das Vehikel für weitere Machtergreifung bilden. Das führt zu trüben Aussichten:

  • Die Euro-Wirtschaftsunion ist demokratisch nicht durchsetzbar, aber metamurphysch allemal. Mit einer gesamteuropäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik wird der Zugriff auf noch größere Summen möglich, nach dem Motto „diese Probleme sind national nicht mehr lösbar, wir müssen Europa neu aufbauen“.
  • Die Klimarettung ist so gefühlsbelastet, dass sie derzeit keine metamurphyschen Anstrengungen mehr erfordert und dass fast alles demokratisch durchsetzbar erscheint. Bloß Vernunftargumente ziehen nicht, vor allem nicht das Argument, wir müssen weniger werden.
  • Unbegrenzter Zuzug nach Deutschland widerspricht dem demokratischen Mehrheitswillen, lässt sich aber durch geeignete metamurphysche Maßnahmen kanalisieren (Stichworte Duldung, Familiennachzug, Abschiebebremse). Dazu die doppelte Gefühlsmassage über das Mitleid und über die Kultivierung des schlechten Gewissens à la „Deutschlands besondere Verantwortung“.

Wohin die fortgesetze politische Selbstermächtigung führt? Die ist darauf gemünzt, dass sie der All-Euro-Kanzlerin Merkel am Ende einen Heiligenschein einträgt – nur wo bleiben wir, die deutsche Allgemeinheit? Wir ernten niemals Dankbarkeit für unsere Opfer. Vielmehr wird weggelogen, dass wir überhaupt welche erbringen, mit dieser Agendasetzung:

  • „Wir profitieren vom Euro“ – real: Wir „profitieren“ uns daran pleite, mit 2 Billionen Staatsschuld, plus Staats-Ausverkauf, plus null Zinsen, plus gigantischen Kreditrisiken.
  • „Es sind ja nur Kredite“ – real: Das Geld ist zu 50% weg.
  • „Wir sind schuld am Klima“ – real: Wir würden klimaschonend weniger, wenn man uns denn ließe.
  • „Die Immigranten werden als Arbeitskräfte gebraucht“ – real: Die Wirtschaft sucht Lohndrücker.
  • „Die Immigranten zahlen unsere Rente“ – real: Bisher zahlen wir deren Unterhalt, und es wird noch teurer, wenn Parallelgesellschaften entstehen.

Was der demokratische Souverän will, spielt unter metamurphyschen Verhältnissen kaum noch eine Rolle. Der Bürger wird medial vom kritischen Denken abgehalten und ruhiggestellt. Wer öffentlichkeitswirksam aufmuckt, wird als Feind Europas bzw. Fremdenfeind bzw. Klimaschädling hingestellt. Und die metamurphysche Politik kann immer weitere „Gipfel“ veranstalten, immer weitere „benötigte“ Gelder im Hauruckverfahren raushauen und immer weiter so tun, als ob sie Probleme lösen wollte. Widerstand ist zwecklos, weil, das ist „alternativlos“.

 

Wilfried Müller

(Dieser Artikel wurde im September 2015 und im April 2017 publiziert und am 12.7.19 überarbeitet.)

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3 Responses to Das metamurphysche Prinzip

  1. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Murphys Gesetz sagt: ″Das Brot fällt (fast) immer auf die Butterseite″. Die Politik ist die Butterseite und der Staatsbürger die trockene Rückseite – und die Politik lässt sich von den Bürgern nicht die Butter vom Brot nehmen.

    Die Politik bestimmt über den Staatsbürger, was er zu Tun und zu lassen hat – basta; andernfalls spürt er die Macht und Willkür des Staates. Der Bürger kann zwar seine Meinung zu allen politischen Entscheidungen äußern und infrage stellen – mehr aber nicht! Die Bürger haben zwar Rechte, die aber schwer durchzusetzen sind und hohe Kosten verursachen, die sich die meisten nicht leisten können – das ist so gewollt. Wir sollen nur Steuern zahlen und viele Kinder zeugen (sind später Steuerzahler) – ansonsten haben wir uns rauszuhalten.

    Wilfried hat in seinem Artikel eigentlich alles angesprochen – dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

    Gruß Wolfgang

  2. Günter Dedie sagt:

    Aufklärungs-Video: https://www.youtube.com/watch?v=tJl_iLWSmtA
    So wird aus „Wohlstandsmigranten unterwegs“ „Flüchtlinge in Seenot“ gemacht und metamurphy’sch aufgebauscht.

  3. Wilfried Müller sagt:

    Wolfgang: Ein bissel mehr geht schon, wir dürfen ja wählen. Und die Bürger wählen was? Genau, das Metamurphysche.

    Günter: Aus „Wohlstandsmigranten unterwegs“ „Flüchtlinge in Seenot“ machen läuft bei mir eher unter Desinformation. Die „Seenotrettung“ hat dann allerdings starke metamurphische Aspekte.

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