Der metamurphysche Prozess in Theorie und Praxis

J.-C. Junckers Interpretation von Demokratie (eigene Grafik)

Vor einigen Tagen hat Wilfried auf das Geheimnis des modernen, sehr erfolgreichen politischen Vorgehens in der BRD, der EU und anderswo hingewiesen: das metamurphysche Prinzip. Heute soll es aus emergenter Sicht durchleuchtet werden.

Diese perfide Strategie, um den Staat aufzublähen und den Politikern ihre Präsenz in den Medien zu garantieren, ist ein emergenter, rückgekoppelter Prozess. Er arbeitet in der Gesellschaft autokatalytisch, dissipativ und fern vom Gleichgewicht. Seine praktische Anwendung kann wie folgt zusammengefasst werden: Die Politiker beschließen im Fall von tatsächlichen oder scheinbaren gesellschaftlichen oder ökonomischen Problemen Maßnahmen, die zu weiteren Problemen führen, weil sie zu wenig durchdacht sind, um das ursprüngliche Problem zu lösen. Dabei lassen sie sich auch gern von den Verursachern der Probleme beraten, den sog. Lobbys, weil die ja am besten wissen, wie man die Probleme fortschreibt. Dieses Verfahren kann beliebig fortgesetzt werden.

Es bewirkt, dass die Probleme nicht aufhören oder sogar immer mehr anwachsen und die damit befassten Politiker dadurch immer im Rampenlicht bleiben. Das ist entscheidend für ihre Wiederwahl, denn bekanntlich ist es dem Wähler egal, warum jemand in den Medien erscheint, wenn er nur prominent ist, und/oderzusammen mit Sensationen oder möglichst dramatischen Gefühlen gezeigt wird. So funktioniert bekanntlich das Gehirn von Menschen, die über Jahrzehnte unsere Mainstream-Medien konsumiert haben.

Damit ist der Aspekt der autokatalytischen, sich selbst verstärkenden Rückkopplung beim metamurphyschen Prozess schon aufgezeigt: Wenn die Politiker mit dem Erzeugen von Problemen Erfolg haben, erzeugen sie weitere Probleme. Die Vergleichbarkeit geht aber noch weiter: So wie der Start eines emergenten Prozesses eine bestimmte Mindestmenge an Elementen benötigt, muss auch das politische Problem und sein finanzieller Schaden als Keim eines Prozesses eine Mindestgröße haben, damit es die Medien überhaupt aufgreifen und die Rückkopplung funktioniert. Allgemein gilt: Je größer das Problem und der Schaden, umso größer ist das Aufsehen und umso mehr „Rampenlicht“ ist ist für Politik und Medien gewährleistet. Demzufolge versucht der erfahrene Politiker möglichst viel Einfluss zu bekommen, um möglichst große Probleme erzeugen zu können. Daraus ergibt sich eine weitere metamurphysche Rückkopplung. Ein gut bekanntes, international anerkanntes Referenzbeispiel dafür ist seit vielen Jahren der Flughafen Berlin-Brandenburg.

Der Keim muss übrigens nicht das zufällig oder absichtlich erzeugte Problem einzelner Politiker sein, sehr viel wirksamer ist es, wenn eine Partei und ihre Ideologie für die Probleme sorgt. Entscheidend ist dabei aber, dass niemand die Ideologie in Frage stellen darf. Um das zu erreichen, sind flankierende metamurphysche Massnahmen nötig wie bspw. das inzwischen 150 Mio. € schwere Regierungs-Projekt Demokratie leben. Ganz allgemein führt die metamurphysche Rückkopplung dazu, dass der Staat laufend „bedeutender“ wird, und dadurch natürlich teurer. Und die Bürger immer unbedeutender.

Der dissipative Aspekt von Metamurphy besteht darin, dass der Prozess mit Steuergeldern betrieben wird, die dabei verschwinden, weil sie auf unübersichtlichen Wegen in private Einkünfte umgewandelt werden und damit für öffentliche Aufgaben nicht mehr zur Verfügung stehen. Der dissipative Zustand fern vom Gleichgewicht – verbunden mit dem Verbrauch von Steuergeldern – ist bei diesen Prozessen durch die ständige Erzeugung neuer Probleme leicht und beliebig lange aufrecht zu erhalten. Wenn die Steuergelder verbraucht sein sollten, können die Prozesse problemlos auf FIAT-Geld  umgestellt oder mit Public Money betrieben werden.

Die dazu passende, problemerzeugungs-orientierte Vorgehensweise des ex-Präsidenten der EU-Kommission und seine äußerst eigenwillige Interpretation von Demokratie wurde schon in der Begrüßungsgrafik dokumentiert.  2015 wurde mit dem Aufruf von Frau Merkel, dass alle Migranten willkommen seien und es keine Obergrenze für ihr Anzahl gibt, ein metamurphysches Projekt in eine Dimension eskaliert, von der man damals dachte, sie sei nicht mehr zu toppen. Aber auch das war ein Irrtum: Vom Migrationspakt  wurde diese Hybris noch weit übertroffen. Da kann man sich nur noch fragen, ob das noch in den Geltungsbereich von Metamurphy fällt ist oder schon verantwortungsloser Größenwahn ist …

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5 Responses to Der metamurphysche Prozess in Theorie und Praxis

  1. Wilfried Müller sagt:

    Wir kriegen ja jetzt eine neue EU-Kommissionspräsidentin, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie inkompetent ist. Das fiel auf, als sie einen Job übernahm, der ein überprüfbares Ergebnis erzeugt: Sicherheit. Wenn das militärische Material nicht einsatzfähig ist, wird keine Sicherheit erzeugt, und diesen Zustand hat sie geschaffen.

    Für das metamurphysche Prinzip ist eigentlich nicht soviel Inkompetenz nötig; das funktioniert ja sogar mit kompetentem Personal. Deshab die Frage an Günter, ob die Ex-Kriegsministerin überhaupt unter Metamurphy fällt? Oder ist das ein anderer perverser politischer Prozess (PPP)? (PPP kommt eigentlich von private public partnership, also z.B. Autobahn privatisieren. )

  2. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Die Probleme, die wir haben und die geschaffen werden, hatten wir vor der EU-Einführung und durch den Euro nicht. Die Politiker und Parteien sind sich selbst nicht einig, was sie eigentlich wollen; der eine sagt so und der andere wieder so. Ursula von der Leyen ist mal Ministerin für ″Arbeit und Soziales″, dann ″Kriegsministerin″, und jetzt ″EU-Kommissionspräsidentin″ – es kommt mir so vor, als gäbe es in der Politik eine eigene Arbeitsvermittlung (Jobcenter) – Erfahrung ist keine Bedingung.

    Der Flughafen ″Berlin-Schönefeld″ zeigt genau auf, wie Planung, Umsetzung und die Steuergeldverschwendung in der Politik aussehen: Es werden Ausschreibungen gemacht, und die billigsten Firmen bekommen den Zuschlag. Falls die Steuergelder nicht ausreichen, erfinden wir eben neue Steuern, z. B. die CO-2 Steuer – andere Steuern werden noch folgen, macht euch darüber keine Sorgen, wir arbeiten daran.

    Gruß Wolfgang

  3. Wilfried Müller sagt:

    Der Flughafen Schönefeld ist prima. Du meinst Berlin Brandenburg, BER.

    Die von der Leyen ist überall brauchbar, denn sie ist eine Fundamentalopportunistin, wie es so schön heißt.

    • Johann Wolfgang Goethe sagt:

      Ein Missverständnis, Wilfried! Natürlich weiß ich als Berliner, das es der BER (Willy Brandt) ist. Er liegt im Bezirk Schönefeld, Landkreis Berlin/Brandenburg. Unser Sohn Christian arbeitet seit Jahren auf dem Flughafen.

      Liebe Grüße, Wolfgang

  4. Günter Dedie sagt:

    Lieber Wilfried, was die Dissipation von Steuergeldern betrifft (die Kosten der BW sind seit 2014 von 32 auf 43 Mrd. € gestiegen, und auch die Beratungskosten, wahrscheinlich wg. fehlender Kompetenz), hat die Leyen ihre metamurphyschen Fähigkeiten jedenfalls eindrucksvoll bewiesen. Falls mal die Sicherheit der BRD ein Thema sein sollte, würden diese Kosten sofort wegen fehlender Verteidigungsfähigkeit nochmals dramatisch steigen.
    Zu ihrer allgemeinen Wirkung fällt mir als Antwort nur die bekannte Metapher ein: „Wo ich bin, ist das Chaos. Ich kann aber nicht überall sein.“

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