Von der Notwendigkeit eines globalen menschlichen Ethos‘

Ein paar Basisüberlegungen werden hier vorgelegt, die den notwendigen Zusammenhang von Wissenschaft, Technik und Ethos zeigen sollen. Wenn man den Überlegungen folgt, darf das weltumfassende Ethos kein religiös kontaminiertes Ethos sein. Stattdessen muss es so global sein, dass es für möglichst viele Menschen akzeptabel ist (Bild: berkemeyer, pixabay). Die Eckpunkte dazu:

 

Technik

Ohne Technik wären wir in der Steinzeit. Unter den Verhältnissen von damals wäre es nicht möglich, die heutigen Menschenmilliarden zu ernähren und versorgen. Für die moderne Welt ist die Technik daher etwas, wofür man ausnahmsweise das Wort alternativlos benutzen kann.

Wissenschaft & Technik

Es funktioniert nur das, was auf der Wahrheit beruht und nicht auf irgendwelchen Phantasien. Deshalb gibt es keine christliche Technik und keine muslimische Technik, sondern nur eine Technik auf Basis der Wissenschaft. Der Umkehrschluss ist zulässig:

Wo die Wissenschaft geleugnet wird, hat die Technik nichts verloren. Dort möge man redlich sein und sich an die Hervorbringungen der eigenen Weltsicht halten. Also statt Autofahren Eselreiten, statt Handy Rauchzeichen oder Trommelsignale und statt Atombomben Stinkbomben. Für den Rest der Welt gilt der logische Zusammenhang von der Akzeptanz der Wissenschaft und der Nutzung der Technik.

Wissenschaft & Technik & Ethos

Weltweit gibt es „die Wissenschaft“ und „die Technik“ nur einmal, in dem Sinn, dass der Kanon der Wissenschaften und die Sparten der Technik nicht in verschiedenen Geschmacksrichtungen existieren. Nun soll begründet werden, warum dazu ein passendes Ethos gehört.

Der notwendige Zusammenhang mit dem Ethos ergibt sich unter der Prämisse, dass Wissenschaft und Technik der Menschheit dienen sollen. Wissenschaft und Technik sind demnach kein Selbstzweck. Sie sollen auch kein Instrument zur Erniedrigung oder zur Ausbeutung der Menschen sein.

Ein passendes Ethos muss solche Wertvorstellungen enthalten, und es muss global sein, wenn es zur globalen Wissenschaft und zur globalen Technik passen soll.

Diese Argumentaion ist nicht willkürfrei, aber plausibel und hoffentlich für die Mehrheit akzeptabel. Davon ausgehend ergibt sich die Forderung: Wenn das Ethos global sein soll, muss es über der Religion stehen.

  • Sobald das Ethos religiös kontaminiert ist, gilt es nur noch für eine regionale Minderheit. Die globale Mehrheit lehnt es infolgedessen ab. Das gilt für jedes religiöse Ethos, weil keine Religion alle Menschen vertritt.
  • Sobald das Ethos „Gottesrechte“ über Menschenrechte stellt, dient es Leuten, die behaupten, es gäbe Götter. Damit instrumentalisieren sie die Menschen und verschaffen sich selber Macht und Geld.
  • Weil Wissenschaft und Technik gegen die christliche Religion erkämpft wurden, ist es Betrug, wenn eben diese Religion Wissenschaft und Technik vereinnahmt.

So ist es aber. Das christliche Ethos hat es geschafft, Wissenschaft und Aufklärung zu überleben und sich im Weltbild vieler Menschen an die modernen Errungenschaften anzuheften. Das ist nicht nur Betrug, es ist auch schädlich.

  • Einmal durch die Rückwärtsgewandtheit jedes religiösen Ethos‘; denn das bedeutet ein Ethosdefizit um alles herum, was in den heiligen Büchern nicht vorkommt. Wer darf was im Internet? Darf der globale Kommerz alles an sich reißen? Für wen arbeiten die Roboter? Das Ethosdefizit führt zu einem gesetzlichen Vakuum: Wo keine ethische Grundlage, da kein Gesetz. Das schafft Freiräume, die von den modernen Geschäftemachern erobert werden – sehr zum Nachteil der Allgemeinheit.
  • Wissenschaftlich und technisch in der Neuzeit zu leben und sprirtuell im Mittelalter, schafft auch psychische Probleme. Die Betroffenen müssen zwischen zwei Welten hin- und herschalten, zwischen der Welt von Logik und Vernunft, wo sie die Herren sind, und der Welt von Verdummung und Erniedrigung. Dort sind sie Sklaven, die auf den Knien zu ihrem „Herrn“ beten. Das ist ein permanenter Kulturschock.
  • Obendrein ist das von der Religion gestiftete Ethos schlechter als gar kein Ethos. Denn wenn die christliche Religion Wissenschaft und Technik vereinnahmen kann, um ihr Ethos dranzuhängen, können das auch die muslimische, hinduistische, buddhistische usw. Mit demselben Recht wie die christliche können sie Wissenschaft und Technik vereinnahmen, um Macht & Geld zu erlangen. Und auch die Religion des Mammons kann das; dort geht es um Geld & Macht mit der Betonung auf Geld.

Welches Recht die Religionen bzw. Ideologien dazu haben, ist offensichtlich: gar keins. Die Religionen tragen nichts zu Wissenschaft und Technik bei; im Gegenteil, mit ihren Wunder-Mythen verleugnen sie die Wissenschaft mehr oder weniger. Von Ideologien wie der Mammon-Religion dasselbe zu behaupten, wäre übertrieben. Aber wenn Wissenschaft und Technik der Menschheit dienen sollen, können sie nicht Religionen oder Ideologien dienen. Wo das doch der Fall ist, handelt es sich um Unterwerfung der Menschen, um  Machtergreifung.

Die Religion erreicht solches, indem sie das Ansehen der Wissenschaft beschädigt. Deshalb hat sich kein wissenschaftskonformes Ethos durchgesetzt, das uns sagt, wie wir mit der modernen Technik umgehen müssen. Das ist nicht nur unter religiös Kontaminierten ein Riesenproblem, wie der folgende fiktive Dialog zeigt:

Unsere Kultur ist Halleluja-Bim-Bam.

Die Welt bedankt sich und sagt, wir haben schon Hamdulillah-Ying-Yang.

Mit welchem Recht sollen wir das verurteilen? Hamdulillah-Ying-Yang ist nicht törichter als Halleluja-Bim-Bam, und es hat genausoviel Anspruch auf Vereinnahmung der modernen Technik, nämlich Null.

Wir haben hier Wissenschaft und Technik gegen die Religion erkämpft, und dann den Gebrauch der Technik mit Menschenrechten sozialverträglich gemacht. Aber wir exportieren Technik und  Wissenschaft ohne den intellektuellen Überbau, ohne Menschenrechte, ohne Aufklärung, ohne Humanität – ohne das globale Ethos.

Damit tragen wir zur Abkoppelung des Sozialen vom Wissenschaftlich-Technischen bei. Das rächt sich, wenn unser Know-How in die Welt exportiert wird und die Produktion dort zu Dumpinglöhnen erfolgt. Die Produkte werden zurückimportiert und machen hier dieselbe Abkoppelung des Sozialen erforderlich, andernfalls die Konkurrenzfähigkeit futsch ist.

Das Fehlen des globalen Ethos‘ liefert die Grundlage für die Ausbeutung aller Menschen. Es liefert die Grundlage für den Einsatz der Militärtechnik gegen die Menschen, und es befeuert den Imperativ des ewigen Wachstums.

 

Wilfried Müller

(Dieser Artikel wurde zuerst am 12.10.15 publiziert und am 19.8.19 überarbeitet.)

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1 Response to Von der Notwendigkeit eines globalen menschlichen Ethos‘

  1. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Ich sehe das genauso, Wilfried. Außerdem: Was ist das Menschenrecht heute eigentlich noch wert? Selbst Ärzte verletzen heutzutage Menschenrechte – sterbende Menschen werden künstlich solange wie möglich am Leben erhalten. Es geht nur noch ums Geld.
    Die Technik wird nicht nur vom Militär genutzt, auch kriminelle profitieren von der Technik.

    Gruß Wolfgang

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