Milliardäre abschaffen?

„Ich denke nicht, dass Milliardäre existieren sollten“, wird Bernie Sanders zitiert (US-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders: Milliardäre haben kein Existenzrecht, RT). Es wird aber immer Menschen geben, die mehr als andere haben, und Bernies angestrebte Reformen würden die Milliardäre auch nicht „eliminieren“, sondern ihr Vermögen reduzieren. Das wäre laut Bernie „genau das, was wir tun sollten“ (siehe auch Milliardäre haben kein Existenzrecht, atheisten-info.at, Bild: 10787, pixabay, manipuliert von ZmB).

Zuweilen scheint es einen Schritt in die richtige Richtung zu geben. Nach dem Allianz Global Wealth Report 2019 sind 2018 die Brutto-Geldvermögen in den Industrieländern um 0,1% zurückgegangen. Naja, nächstes jahr gehen sie wahrscheinlich um 10% hoch …

Dafür bleiben die Renten unten. Dazu nennt The European 3 Beispiele was seit 15 Jahren unter Merkel falsch läuft. Zum Einkommen nimmt der Artikel nicht Stellung, aber er sagt, dass der Bund jedes Jahr mehr für die sogenannte Grundsicherung im Alter ausgeben muss, was eigentlich Hartz IV ist. Und zwar deshalb, weil die Renten so niedrig sind, dass sie die Grundsicherung unterschreiten.

Bei Zero Hedge wird die US-Steuerbehörde zitiert, The Average American’s Income Is Unchanged In 30 Years… While The „1%“ Have Soared. Demnach ist das bereinigte US-amerikanische Durchschnittseinkommen seit 30 Jahren gleich geblieben, während das obere 1% sein Einkommen vervierfacht hat.

In Deutschland sieht es ähnlich aus, auch wenn die offiziellen Zahlen freundlicher wirken. Was dabei verborgen bleibt, sind die wachsenden versteckten Schulden, der Ausverkauf des Staatsvermögens, der Infrastrukturverfall, die enormen deutschen Kreditrisiken. Und natürlich der Grundsatzfehler der deutschen Politik, sämtliche Probleme der Welt zu deutschen Problemen zu machen.

Die Subventionierung der Reichen erfolgt auf Kosten der Allgemeinheit (Bankenrettung, Griechenlandrettung, Target 2, EZB-Kauf von Firmenanleihen, Börsenmissbrauch, Erbschaftssteuer). Unterm Strich vereinnahmen die Reichen auch hier die gesamten Wohlstandsgewinne, während die Durchschnittsdeutschen bei Einberechnung der Schulden, des Ausverkaufs und des Infrastrukturverfalls verlieren.

Die Abschaffung der Milliardäre wäre deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. Es würde wohl reichen, wenn der unverdiente Reichtum beschnitten wird, resultierend aus Steuerflucht, Zockerei, windfall profits (Gewinn aus zufälligen Marktänderungen) und dem falschen Gefälle der Geldströme (von der Allgemeinheit weg zu den Privilegierten hin). Das würde auch Milliardäre treffen, die sich ihre Milliarden „selbst erarbeitet“ haben. Denn das ging ja nur, weil die passende Infrastruktur dafür vorhanden war, zu der die Profiteure zuwenig beigetragen haben.

Milliardäre abschaffen? Ja bitte.

 

Wilfried Müller

ZmB-Links Einkommen

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6 Responses to Milliardäre abschaffen?

  1. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Milliardäre abschaffen? Zumindest sollte der Staat überprüfen, wie die Millionen oder Milliarden erwirtschaftet wurden – wurden sie unseriös erwirtschaftet, sollte das Geld eingezogen werden und an ″Tafeln″ und anderen sozialen Einrichtungen verteilt werden.
    Die Milliardäre sind zwar reich, haben aber auch ihren Charakter gegenüber anderen Menschen verloren und schauen auf sie herab, als ob die Armen die Pest haben.

    Wenn man bedenkt, dass Mesit Özil (Fußballer) 400.000 € in der Woche verdient und Spieler für über 100 Millionen verkauft werden, dann stimmt in unserer Gesellschaft irgendwas nicht mehr.
    Das gilt für Politiker, Geschäftsleute, Manager usw. genauso. Das ist unmoralisch und krank.

    Ich finde: so wie es bei Arbeitnehmern einen Mindestlohn gibt, sollte man einen Mindestlohn für Reiche einführen – der Überschuss wird dann umverteilt. Die Ungerechtigkeit in der Gesellschaft muss aufhören! Milliardäre abschaffen? JA!

    Gruß Wolfgang

  2. Wilfried Müller sagt:

    Also der Bill Gates hat Charakter gezeigt – dass die alle keinen Charakter haben, ist ein Vorurteil. Mit dem ‚unseriös erwirtschaften‘ ist es auch so eine Sache. Nur wenn es illegal ist, kann das Gesetz was machen, abgesehen davon, dass der Gesetzgeber natürlich mehr Gerechtigkeit schaffen könnte.

    Dem Özil würde ich das Geld am wenigsten neiden, der leistet ja was dafür. Was mich stört ist der unverdiente Reichtum, wo die Leute abzocken und die Allgemeinheit dabei schädigen.

  3. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Mit unseriös meinte ich natürlich illegal erwirtschafteten Reichtum. Habe mich falsch ausgedrückt, Wilfried.

    Bei Mesut Özil stimme ich Dir nicht zu, Wilfried! Das ist kein Neid, das ist unrealistisch und unmoralisch – auch Sport-Journalisten kritisieren die steigenden utopischen Gehaltsentwicklungen im Fußball! Das ist Geld-Gier und hat mit: ″der leistet ja was dafür″, nichts zu tun.

    Die Gehaltsentwicklung in der Bundesliga: In den 1960er-Jahren verdienten Uwe Seeler und Wolfgang Overath 7.200 € im Jahr. In den 1970er-Jahren verdiente Franz Beckenbauer & Co. 150.000 € – 350.000 € im Jahr. Ab die 1990er-Jahre ging es erstmals über die Millionen-Grenze.
    Was Franz Beckenbauer & Co. damals im Jahr verdienten, verdient Mesut Özil heute in einer Woche plus Werbeeinnahmen und Prämien. Damals gab es als Prämie ein Auto: Es waren gute Fußballspieler und haben ja auch was dafür geleistet. 1974 Weltmeister!

    Auch Arbeitnehmer bringen tagtäglich, für einen geringen Lohn, Ihre Leistung: Ich habe als Autoschlosser damals angefangen mit 800 DM/Monat. Nach über 40 Jahren Arbeit und erbrachter Leistung dafür, müsste ich heute bei einer Gehaltsentwicklung, wie beim Fußball, bei 8.000 € – 10.000 € im Monat liegen.

    Die obere Schicht hat eine hohe Gehaltsentwicklung und die untere Schicht hat eine stagnierende Gehaltsentwicklung – das ist Fakt!

    Gruß Wolfgang

  4. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Bemerkung: Das angegebene Jahresgehalt ab 1960 ist von DM auf € umgerechnet!

    Gruß Wolfgang

  5. Wilfried Müller sagt:

    Um im Rahmen zu bleiben, Wolfgang: die paar Millionen machen den Kohl nicht fett. Ich weine den Milliarden nach, die den Abzockern überlassen werden.

  6. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Die Milliarden die den Abzockern überlassen werden, da hast Du recht, Wilfried!
    Der Staat ist nicht in der Lage oder unfähig, dagegen was zu unternehmen. Die Abzocker fühlen sich besonders in Deutschland wohl und Sicher.

    Gruß Wolfgang

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