Emanzipatorisches Zoffpotential liegt brach

Wieder muss die Frage gestellt werden, was ist bloß los mit der Frauenverachtung und der Emanzipation davon? (Bild: Nemo, pixabay.)

Religion ist ja prinzipiell menschenverachtend, weil sie „göttliche“ Ansprüche über die menschlichen Notwendigkeiten stellt. Die Frauenverachtung ist quasi eine Dreingabe. Besonders stark ist das beim Katholizismus ausgeprägt, der Frauen für mindere Wesen hält, denen Priesterschaft Papsttum verwehrt bleiben.

Spitzenleistungen bei der Frauenverachtung bietet auch der Hinduismus, der durch sein Kastenwesen ohnehin menschenverachtend genug ist. Und beim strenggläubigen Islam wird die Frau gleich ganz weggepackt in Gewänder, die alles andere als eine Frischhaltepackung sind. Da mufft es ganz gewaltig.

Man erinnert sich: 1967 gab’s den Studentenbewegungs-Spruch Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren. Nun sind die mobilen Frauengefängnisse wie Burkas usw. lange keine 1000 Jahre alt (wiki), aber genauso anrüchig wie die professoralen Wallegewänder von dunnemals.

Wo bleiben eigentlich FrauenrechtlerInnen und FeministInnen? Von denen wurden die Männer einst zu 5-Sterne-Chauvinistenschweinen und male chauvinist Nazi pigs ernannt, sofern die Chauvies der Meinung waren, die Frau sei dem Mann in dienender Funktion untergeordnet. Konsequenterweise müsste es doch eine Entsprechung bei den Muslimen geben. Aber da fehlt die passende Kategorisierung als Islamofaschisten für Männer, die ihren vermummten Frauen 3 Schritte voraus sein wollen.

Wenn man zur Zeit der Chauvies das Unglück hatte, zur männlichen Spezies zu gehören, erinnert man sich an die Durchsetzungsfähigkeit der Emanzen. Nur mit Grauen kann man sich solchen Vorstellungen ergeben: Was wäre wohl gewesen, wenn ein Chauvie von seiner Frau verlangt hätte, sie möge Burka tragen und 3 Schritte hinter ihm wandeln? Eine Horrorvorstellung. Das hätte Mord und Totschlag gegeben.

Emanzipation

Die Emanzpation hat sich in ihrer langen Geschichte der Aufklärung zugewendet, den Sklaven, den Frauen, den Andersdenkenden und -liebenden. Bei der Bundeszentrale für politische Bildung findet man die Stationen der Emanzipation chronologisch aufgelistet, nur fehlen Einträge von den letzten Jahren. (Nix mehr passiert außer Karriere-Grrrls?) Auch das maximale Manko wird nicht beschrieben. Es ist ja leider noch nicht zu einer allgemeinen Emanzipation von der Religion gekommen. Stattdessen wird herumgegendert, und ansonsten liegt das emanzipatorische Zoffpotential brach.

Es arbeitet sich nicht wirklich am genderism ab, auch wenn es bis hin zu schrillen Correctness-Eskapaden geht, und zu irrwitzigen Sprachregelungen – die KrankenschwesterInnen lassen grüßen. Eine Rundschau im Internet bringt kaum etwas Aktuelles zur Feminismus-Debatte. Sogar die Rufmord-Kampagnen wie Meetoo und das Bashing von toxic masculinity haben sich totgelaufen. Beides richtete sich wohlgemerkt nur gegen westliche Männer. Dieses Tabu kennt TERRE DES FEMMES nicht, doch sonst hält kaum jemand die Fahne der Vernunft bei Frauenrechten hoch.

Objekt der heutigen Frauenemanzipation ist sowas wie die Auflösung von Machtverhältnissen und diskriminierenden Strukturen, was auch unter den Themen gleiche Löhne, gleicher Respekt, Armutsgefahr von Alleinerziehenden, Diskriminierung von Regenbogenfamilien läuft. Um die viel schlimmere Diskriminierung der Muslimas schert sich der Mainstream der Frauenemanzipation nicht.

Lieber geht es ihr um den Third-Wave-Feminismus oder auch die Riot Grrrls, die auf feministisch mit Sex rummachen. Damit spielen auch die Femen, die eher Künstlerinnen sind – und als solche Selbstvermarkter -, die aber kaum noch Neuigkeitswert haben. Dann gibt’s noch den sogenannten „Karrierefeminismus“, wo es eigentlich um Partikularinteressen geht. Das Quotenfräulein grüßt.

Islamischer Feminismus

Immerhin bringt die Recherche auch den islamischen Feminismus zum Vorschein, der auf eine Neuinterpretation der islamischen heiligen Schriften drängt. Soll heißen, der Koran ist ebenso interpretationsfähig wie die Bibel und steht den Koran-Sophisten für den entsprechenden Eiertanz zur Verfügung. Demnach basiert der islamische Feminismus auf den religiösen Texten, er sei weder ein Import aus dem Westen noch aus dem Osten, sondern ein weltweiter Diskurs.

Was man weltweit vernimmt, sind aber andere islamische Diskurse. Von den islamischen Feministinnen kommen ermutigende Nachrichten aus Iran und Saudi-Arabien; derweil gibt es aber keine einheitliche Positionierung, ob es vertretbar ist, junge Mädchen so zu indoktrinieren, dass sie willens werden, ihre Freiheits- und Selbtsbestimmungsrechte und womöglich noch ihre Klitoris beschneiden zu lassen.

Zoffpotential

Was als zwiespältiges Stimmungsbild bleibt, ist die frühere feministische Power gegen Menschenverachtung und ihr jetziges Untertauchen gegenüber den brennenden Gegenwartsfragen. Nur vor Ort arbeiten sich die Feministinnen am religiösen Mummenschanz ab. Ihnen fehlt die Unterstützung aus den Ländern, wo die Frauenrechte schon mal realisiert wurden, und wo nun die Toleranz durch Einwanderung Intoleranter beschnitten wird. Natürlich sind Gleichbehandlung und Armutsbann bei Alleinerziehenden wichtig. Die Mullahs in die Schranken zu weisen, ist aber mindestens genauso wichtig. Es wird Zeit für ungläubige FeministInnen, die keine Scheu vor diesen Rauschebärten und ihrer Gefolgschaft haben. Das sind schließlich die 5-Sterne-Chauvinistenschweine per se, um im Bild zu bleiben.

Hinter Rauschebart steckt schließlich nur Schall und Rausch. Das emanzipatorische Zoffpotential sollte für die ganze Palette reichen, nicht nur für die harmlosen Typen. Irgendwie gemahnt das an den Hund hinterm Zaun; der bellt wie toll, aber wo der Zaun zuende ist, kneift er den Schwanz ein. Das sollten sich die Feministinnen nicht vorwerfen lassen müssen, dass sie den Schwanz einkneifen, und wenn sie noch so multikulti-bewegt sind.

Wenn die gegenwärtige Malaise nicht das große Emanzenversagen sein soll, dann wär’s an der Zeit, von der selektiven Bissigkeit zu einer gleichberechtigten Bissigkeit überzugehen. Was den Chauvies von damals gebührte, gebührt auch den echten Chauvies von heute. Den echten Frauenverachtern, nicht bloß den Busengrabschern. Gleichbehandlung heißt die Devise.

Gesammelte Argumente gegen muslimische Frauendiskriminierung:

  • In vielen islamischen Ländern ist der Kleidungsstil der Frauen gegenüber dem Stand von vor 50 Jahren zu einem strengen religiösen Dresscode heruntergekommen, bei dem das Kopftuch nicht bloß ein Kleidungsaccessoire ist. Das Kopftuch ein Symbol gegen Aufklärung, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung.
  • In den freien Ländern wird die Verhüllung als äußerliches Distiktionsmerkmal gegenüber den Werten und der Lebensweise des Westens in Stellung gebracht und schafft gleichzeitig ein Zusammgehörigkeitsgefühl unter Muslimen. So ist die merkwürdige Sympathie von Linksgrün für das Kopftuch zu erklären, denn auch Linksgrün lehnt Werte und Lebeweise der westlichen Welt oft ab.
  • Es geht nicht darum, Muslim zu sein, sondern es geht um das bewußte Zur-Schau-Stellen des Andersseins. Das machen Punks, Popper und Gothics auch, aber denen wird es nicht aufgezwungen. Das Kopftuch dehnt Religion in andere Lebensbereiche aus und macht die Frauen zu Bannerträgerinnen einer rückwärtsgewandten Lebenseinstellung, von der sich unsere Gesellschaft mühsam über Jahrzehnte befreit hat.
  • Unsere tolerante Gesellschaft ist bunter und islamischer geworden. Und damit intoleranter, weil der Islam vielfach als intolerante und frauenfeindliche Ideologie ausgelebt wird. Das ist Freiheitsmissbrauch. Die Toleranz sagt, dass es einen schlichtweg nichts angeht, wie andere Menschen sich kleiden. Die Intoleranz von vielen muslimischen Männern sagt, dass es sie sehr wohl was angeht, wie sich muslimische Frauen in ihrer Community kleiden. Solche partikulare Intoleranz missbraucht die Toleranz der Gesellschaft.
  • 50 Jahre nach den ’68ern wird es wieder nötig, für die sexuelle Befreiung und für die sexuelle Selbstbestimmung der Frauen in Europa zu kämpfen.  Denn welche Frau, die Kopftuch trägt, traut sich Ihr Sexleben selber zu bestimmen und auszuleben? Welche Frau in diesem Milieu kann ein gesundes Verhältnis zu seinem eigenen Körper und eine nicht-verklemmte Freude an der eigenen Sexualität entwickeln?
  • Das führt dazu, dass die Zahl der Suizide unter muslimischen Mädchen ungleich höher (fünf mal höher) ist als bei der im Vergleich zur Altersgruppe nichtmuslimischer junger Frauen. Zur Kopftuch-Ideologie gehören auch Ehrenmorde, Zwangs- und Kinderehen sowie in einigen islamischen Ländern die Mehrfachehe.
  • Inzwischen transportiert das Kopftuch Gruppendruck, und zwar in beiden Richtungen. An Berliner Problemschulen werden Mädchen mit Kopftuch nicht mehr ausgegrenzt, weil sie dort in der Mehrheit sind. Nun werden Mädchen, die kein Kopftuch tragen, ausgegrenzt.
  • Solange Männer Frauen ohne Kopftuch als weniger ehrbar ansehen als Frauen mit Kopftuch, ist das Kopftuch ein Zeichen von Unterdrückung. Diejenigen Frauen, welche freiwillig in Deutschland das Kopftuch anlegen, machen es denjenigen, welche es anlegen müssen, ungemein schwer sich zu befreien.
  • Vor dem Hintergrund der kritischen Hinterfragung von Geschlechterrollen bei den gender studies ist es geradezu skandalös, wie permissiv es hingenommen wird, dass junge Mädchen mit Kopftüchern in Schulen erscheinen.
  • Die Kreise, die vehement die Vollverschleierung verteidigen, sind auch diejenigen, die keine Gelegenheit auslassen, westliche Männer als Sexisten oder potentielle Triebtäter darzustellen. Das ist paradox. Die machen sich lächerlich.
  • Weibliche Verhüllung ist auch männerfeindlich, weil sie unterstellt, der Sichtschutz würde gegen männliche Attacken gebraucht. Sie ist kinderfeindlich, weil den kleinen Mädchen ein fundamentales Misstrauen angezüchtet wird.
  • Hierzulande wird die jahrelange Arbeit von Frauenrechtlerinnen konterkariert, nur weil ihre Nachfolgerinnen Angst haben, sich mit einer Religionsgruppe anzulegen. In den 1960er und 1970er Jahren waren die Frauenrechtlerinnen noch kämpferisch, wie die Dokumentationen zum Streit um den §218 zeigen.
  • Den Deutschen wirft man Nationalismus vor, weil sie ihre Kultur erhalten und Traditionen bewahren wollen, wo es denn noch geht. Aus linksgrüner Sicht ist das alles rückwärtsgewandt und schlecht. Kommen aber anders Sozialisierte ins Land, deren Kultur noch so reaktionär und rückwärtsgewandt ist, werden sie als „Gold“ und „Bereicherung“ hofiert, und ihrer überkommenen Lebensweise wird der Anspruch verliehen, sich in Deutschland auszubreiten.

 

Wilfried Müller

(Publiziert am 23.12.14 und komplett überarbeitet am 2.10.19.)

Links dazu: Verrücktheiten um Religion und Pseudoreligion

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2 Responses to Emanzipatorisches Zoffpotential liegt brach

  1. Klarsicht(ig) sagt:

    Ich fühle mich durch islamische „Schutzkleidung“ diskriminiert !

    Die vielfältigen islamischen „Verkleidungsarten“, die man bei Frauen bis hin zu kleinen Mädchen in islamischen Ländern und auch in muslimischen „Parallelgesellschaften“ in Ländern, die nicht islamisch, sondern westlich geprägt sind, antrifft, dienen dazu, die scheinbar wie eine Krankheit empfundene Inaugenscheinnahme des normalen äußeren Erscheinungsbildes von muslimischen Frauen und Mädchen durch Männer und „Ungläubige“ abzuwehren. 

    Männern und „Ungläubigen“, denen im öffentlichen Raum muslimische Frauen und Mädchen in irgendeiner ihrer islamischen „Verkleidungsarten“ begegnen, wird durch diese „Schutzkleidung“ objektiv der Eindruck vermittelt, Viren oder Bakterien zu sein, auch wenn die Männer und „Ungläubigen“ es möglicherweise subjektiv nicht so empfinden sollten, gegen die nach islamischem Glauben muslimische Frauen und Mädchen geschützt werden müssen.

    Mit mir empfinden es sicher viele meiner männlichen und „ungläubigen“ Mitmenschen als menschlich abwertend und somit als partielle Diskriminierung, wenn muslimische Frauen und Mädchen vor unserer Existenz und unseren Blicken dadurch „geschützt“ werden müssen, indem sie ihre Köpfe und sonstigen Körperteile ganz oder teilweise freiwillig in Tücher wickeln oder sie sich dazu gezwungen sehen bzw. konkret dazu gezwungen werden, es zu tun.

    Muss eine Muslima die islamische „Schutzkleidung“ aufgrund fremder Intention tragen, so könnte ein solcher Sachverhalt partiell an die „Nazi-Zeit“ erinnern, in welcher es Menschen mit jüdischem Hintergrund in menschenverachtender Weise durch das „Nazi-Regime“ zur Pflicht gemacht wurde, ihre äußere Kleidung mit einem „gelben Stern“ zu versehen. Sie wurden also gezwungen, sich selbst zu stigmatisieren.

    Man hat es also auch mit einer Diskriminierung der Muslima zu tun, wenn sie die muslimische „Schutzkleidung“ aufgrund fremder Intention tragen muss.

    Gruß von
    Klarsicht(ig)

  2. Wilfried Müller sagt:

    „Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!“, so wird Kanzlerin Merkel beim Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Potsdam zitiert (Spiegel).

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