Finger im Ohr ersetzt Handy & Smartphone

So sieht die korrekte Haltung aus: Am Handgelenk das Wundertelefon (Bild: Innomdle LAB), den Finger am Gehörknochen (Tragus), und gesprochen wird in das Mikro am Handgelenk. Wer sagt denn, dass es keine schrillen Innovationen mehr gibt?

Der Kopfhörer fürs Handgelenk heißt Sgnl Touch Your Sound (Innomdle LAB: Sgnl – Make Phone Calls with Your Fingertip, literally – Kickstarter 2018) und ist kein Narrenstück und keine Posse. Das berichtete ein Artikel von 2016 (Sgnl, wenn der eigene Zeigefinger zum Lautsprecher wird – Kickstarter News). In der Erläuterung dazu heißt es, mit dem Handy am Ohr immer weniger Leute telefonieren. Sie schalten den Lautsprecher ein oder nutzen ein Headset. Das sei nicht mehr nötig, denn ein neuartiges Armband macht nun den Zeigefinger zum Lautsprecher machen (in dem Bild von SimonaR, pixabyay, stimmt die Fingerhaltung noch nicht so ganz).

Eine Rückbesinnung sagt uns: Früher gab es keine freilaufenden Telefone. Die Apparate hingen an der Schnur und mussten zuhause bleiben, wenn sich ihre Besitzer auf die Walz begaben. Dann kam das schnurlose Telefon, und alles wurde anders. Jetzt heißen die Apparate Handy oder Smartphone und tendieren zum Festwachsen am Ohr. Oft sind sie mit Schnur versehen, nur dass die Schnur nicht mehr zur Telefondose geht. Das moderne Phone verbindet sich mit seinem Besitzer, und in sein Ohr wird ein Headset eingestöpselt (im Bild von Paulajoubert, pixabay, stimmt die Fingerhaltung auch noch nicht).

Dank einer sogenannten Body Conduction Unit soll zukünftig der Zeigefinger am Ohr fürs Telefonieren genügen. Das System sitzt am Handgelenk, wo es die Audiosignale über eine runde Gummifläche als Vibrationen auf den Armknochen überträgt. Der Zeigefingerknochen ist akustisch daran gekoppelt; für die Tonübertragung muss man nur den Zeigefinger an den Ohrknochen bringen. Die neue Technik wirkt wie ein Lautsprecher in der Fingerspitze (die Fingerhaltung im Bild von Gellinger, pixabay, ist völlig falsch).

Anstelle vom Klingelton wird der Angerufene mit einem Vibrationssignal aufgestört. Um das Telefonat anzunehmen, reicht ein einfacher Fingertip. Kein Aufschrecken der Nachbarn mehr, kein Handysuchen mehr, keine Verdrahtung zum Kopfhörer mehr. Den Finger hat man immer dabei, und das System soll sogar in sehr lauten Umgebungen funktionieren. Wie das koreanische Start-up-Unternehmen Innomdle LAB erklärt (es ist der erste Ableger von Samsungs C-Lab), werden die Stimmen übertragen und die Hintergrundgeräusche herausgefiltert (das Bild von Markgraf-Ave, pixabay, zeigt immer noch eine falsche Fingerhaltung).

Nach Selbstauskunft 2016 hatte das Unternehmen statt der gewünschten 50.000 $ fürs Start-up schon 11 Tage vor Kampagnen-Ende 1.135.665 $ eingesammelt. Der Preis des Produkts liegt bei 139 $, das Duo (2 Geräte) kostet 219 §. Die Standby-Zeit geht bis zu 7 Tagen, die Gesprächszeit bis zu 4 Stunden, wobei der Akku über USB-Kabel innerhalb von 1 Stunde wieder vollgeladen wird (Bild: Innomdle LAB, der Tester macht es richtig).

Diskretion ist bei dem System gewährleistet. Die ankommende Stimme kann über den Zeigefinger nur im eigenen Ohr gehört werden, also können die Gespräche von anderen im Raum kaum mitgehört werden. Und falls man doch jemanden mithören lassen möchte? Dann steckt man ihm den Finger ans Ohr, oder man gibt dem Telefon-Spagat neuen Sinn: Daumen ans eigene Ohr, kleiner Finger ans andere (alle Finger dürften akustisch gleichwertig sein, Bild: Biz-Travel).

Für den Träger das Sgnl nur ein Armband, das mit oder ohne Uhr getragen werden kann (Bild: Innomdle LAB). Wer will, kann es mit einer Apple watch tragen, und vielleicht gibt’s auch self tracking devices, die noch dranpassen. Bedauerlich, dass man diese Innovation bis jetzt kaum zu sehen bekommt.

Wilfried Müller

(Der Artikel wurde am 22.10.16 und am 29.12.18 publiziert und am 27.12.18 und am 4.10.19 überarbeitet.)

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3 Responses to Finger im Ohr ersetzt Handy & Smartphone

  1. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Hilfe! Wir werden zu Aliens!

    Gruß Wolfgang

  2. Johann Wolfgang Goethe sagt:

    Nachtrag:

    In 100 Jahren werden wir eine neue Sprache haben und untereinander anders kommunizieren. Die Technik und deren Revolution wird die Menschheit verändern.

  3. Wilfried Müller sagt:

    Lieber die als die Kumis.

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