Das zu enge Gewissen

Ein sogenanntes „schlechtes Gewissen“

plagt etliche schwer depressive Menschen ständig, unsere wirklich barbarischen Zeitgenossen dagegen kaum. Die sind „gewissenlos“. Ein enges Gewissen  ist meist  religiös überhöht: Die Patienten fühlen sich schuldig bzw. sündig. Doch über Sünde spricht man nicht, oder zu wenig. Man hält sich für aufgeklärt und agnostisch. Ein nord- bzw. mitteldeutscher Fußballer bekreuzigt sich nicht. Dankt nicht für jedes Kopfballtor. Die Sünde wurde in der Hauptsache nicht von den Eltern, sondern kirchlich (auch über entsprechende Literatur) eingeredet: Patienten  sind als Kinder auf billige Kirchentricks hereingefallen. Das schlechte Gewissen des Christen ist nötig, damit er ein „gutes“ Gewissen hat. Mit einem guten Gewissen wäre er Sünder, weil nicht genügend demütig. Ein fabelhaft funktionierender Kirchentrick.

Der billigste davon  ist die eingeredete Schuld an einem Foltermord. Sie sollen durch ihre Schlechtigkeit und Sündhaftigkeit „Mittäter an Jesu Kreuzigung“ sein, so der Vorwurf bspw. des Pastors Traugott Giesen im Buch „glauben heilt“ an unsere Kinder. Dabei ist Jesus 2000 lange  Jahre schon tot. Tote kann man nicht kreuzigen, nur lebendige „Auferstandene“. Nicht „existent“ sei Jesus, schreibt mir die Staatsanwaltschaft Freiburg im Jahr 2014. Eine Auferstehung gibt es juristisch und medizinisch nicht.  Die Kirchen, und das ist ihre Sünde, haben es verstanden, unseren Kindern ein humanistisches Gottesbild und damit das wirkliche Evangelium vorzuenthalten. Holen wir das also ganz schnell bei unseren Kindern nach.

Eine seltene Bestätigung meiner Auffassung von fachlicher Seite fand ich im Buch von Verena Burgbacher und Carola Eißler: „Schluss mit dem schlechten Gewissen“, Herder: „Theologisch betrachtet hat „Gewissen“ immer etwas mit der Vorstellung von „Gott“ zu tun“, so die Autorinnen. Eine Patientin berichtet im Büchlein, Gott sei ihr übermächtig vorgekommen und als einer, der „genau überwachen … konnte…“ Wir alle stünden „mit jeder unser Handlungen in Gefahr, die göttliche Ordnung zu verletzen“. Daraus ergebe sich ein unerfülltes und „unwertvolles“ Leben ohne die Option „auf einen Platz im Himmel“. Die Autoren meinen natürlich, dass sich ein Platz bzw. eine Option ergibt für das Gegenteil des Himmels, die Hölle. Über Hölle spricht man normaler Weise nicht. Man will sich nicht lächerlich machen. Hier werden also wertvolle Leben durch Kirche zerstört bzw. unwertvoll.  Da wir nach Kirchendoktrin alle ewig leben, nehmen die, die keinen Platz an der Sonne bekommen, auf ewig in der Hölle ihren Platz ein. So denken die meisten unserer Kinder! Sie erfassen das Dogma „Jüngstes Gericht“ bereits im Kindergarten. „Omi, da kann man auch verbrennen“, so ein Kind hier am Ort. Unser Bibelgott, diese Projektion barbarischer (und gelegentlich auch lieber) Menschen, kennt leider keine mäßig temperierten Zwischenstockwerke.

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