Bildungslücken

Ohne speziellen Anlass kommt das Thema daher, aber mal ehrlich gesagt, es ist doch immer aktuell. Bildungslücken findet man überall. Man muss nicht weit gehen, um sie zu suchen (Bild: PublicDomainPictures, pixabay).

Wie war das noch in der Schule mit dem französischen Gérondif? Und im Studium mit der Greenschen Funktion? Und dann bei der Arbeit mit der Speicherstelle eb00 beim Commodore PET?

Wer Lust hat, kann seine eigenen Bildungsdefizite anfügen, auch wenn es nicht nötig ist. Schließlich kann fast jeder fast überall mit Bildungslücken aushelfen. In den Zeiten des Internets ist einem  bewusst, dass man nichts weiß, und man lasse sich nichts anderes weismachen. Wer weiß, dass er nichts weiß, ist nicht unbedingt ein Weiser; er könnte auch ein Bildungslückenprotz sein.

So eingestimmt, gewinnen die Schliche des verblichenen Meisters Manfred Schmidt ihre Relevanz. Wie sagt man beim Konzert? Die Partitur verlangt eine Es-Klarinette, so der verschmidtste Vorschlag. Wer daraufhin fragt. Welche Party-Tour? der ist voll im Thema drin. Vielleicht handelt es sich ja um ein Popkonzert, wo die Klarinette nach hinten losgehen könnte.

Gemeinhin ist für Bildungslücken die Zeitung mit dem passenden Namen zuständig, die Ungslücken-Zeitung oder so ähnlich. Die Ungslücken-Zeitung befasst sich am liebsten mit Herzensbildungslücken und was sonst noch mit den Charakterfehlern harmoniert.

Höher gebildete Lücken darf man da nicht erwarten, zum Beispiel solche, die sich mit der Physik befassen, wie sie der folgende kleine Dialog illustriert:

A: Ich kann keine Physik.
B: Da gibts doch den berühmten Physiker, den kennt jeder, Humpler, nein so ähnlich       … Einbein!
A: Einstein?
B:Wusste doch, Sie kennen sich aus in der Physik.

Man darf A und B noch für das Entsprechende in der Mathematik strapazieren:

A: Ich kann kein Mathe.
B: Aber ich, ich bin Mathematiker.
A: Was denn für einer?
B: Nun ja, es gibt 3 Sorten Mathematiker. Die einen können bis 3 zählen. Die anderen könnens nicht.

Wer nicht diese geistigen Höhen erklimmt, darf sich trotzdem was auf seine Bildungslücken einbilden. Dazu nochmal der Heisenberg-Spruch (in der schönen Version vom Donald-Duck-Kalender):

Wenn man alles gelernt hat
und alles wieder vergessen hat,
was dann übrigbleibt,
… das ist Bildung.

Im Lichte dieser Erörterungen definiert sich Bildung nunmehr als Lücke per se! Es ist also Zeit für die Emanzipation von den alten Bildungsbesitzständen, die möglichst viel Info in möglichst wenig Hirn quetschen wollten. Der Spruch dazu war, Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir – und der ist falsch.

In der Lehranstalt lernt man doch bloß, wie man Zeit verplempert und mit geringem Wirkungsgrad das Unnötige lernt. Das Geniale an dem Heisenberg-Spruch ist die Erkenntnis, dass es darauf gar nicht ankommt, weil sowieso alles in Vergessenheit gerät.

Man darf den Mut zur Bildungslücke deshalb nicht als Element der Prolo-Kultur missverstehen. Die Ungslücken-Zeitung und die vergleichbaren Online-Medien kultivieren ja nur die Unkultur des Unwissens.

Wer höhere Bildung erworben hat, der hat dagegen Anspruch auf höhere Bildungslücken! Das ist ganz was anderes als plattes Nichtwissen, oder etwa nicht?

 

Wilfried Müller

(Dieser Artikel wurde am 22.6.14 publiziert und am 30.10.19 überarbeitet.)

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