Impersonatoren im Internet

Ein Impersonator war mal jemand, der jemand anders nachäffte, meist irgendwelche Celebrities. Heute hat man das nicht mehr nötig. Von Künstlicher Intelligenz motorisierte Software kann Bilder und Videos so realistisch verfälschen, dass man nicht mehr unterscheiden kann, ob man da irgendeinen Normalverbraucher sieht, oder ob eine Celebritity den Kopf hinhalten muss. Bisher wurde das meist genutzt, um Porno-Darstellerinnen den Kopf von bekannten Stars aufzumontieren.

Deepfake nennt sich dieser technologische Fortschritt (Bild: Cesar Tort, Wikimedia Commons).

In der großen weiten Internet-Welt sind Impersonatoren nur noch Schädlinge. Das Netz kommuniziert zunehmend mit sich selber. Impersonatoren (englisch für Double, Darsteller) geben sich als Personen aus, mithin was vorher schon die Avatare taten. Also frisch auf ins Land der Scraper, Hacking Tools und Spammer, ins Refugium der Bad Bots, zu denen die Impersonatoren gehören.

Die Technik-Evolution bringt immer neue Dinge hervor, und das Internet revolutioniert sich selber. Unter diesem Aspekt ist das zu sehen; es geht nicht mehr um Kommunikation zwischen menschlichen Teilnehmern und nicht mehr um Informationsbeschaffung, sondern um Maschinen, die auf diesem System aufsetzen. Der Datenverkehr, den programmierte Gerätschaften verursachen, ist mittlerweile die Mehrheit. Zahlen dazu liefert der dianomi 2018 Robot Traffic Report.

Bedenklicher noch sind die Ziele dieser automatisierten Aktivitäten, die auch statistisch erfasst wurden. Ein Drittel der Bots werden von Suchmaschinen-Betreibern und sonstigen Datenscannern unterhalten – und der Rest verfolgt kriminelle Ziele und heißt deswegen Bad Bots. Hacking-Tools und Scraper, klauen Kreditkartendaten, Webanwendungen und Email-Daten, sie hijacken Webseiten und legen sie mit Massenabfragen (Spam) lahm. Das sind dann  Spammer, die Webseiten mit schädlichem Code infizieren und massenhaft Bullshit in Kommentarspalten von Webforen posten.

Und die Impersonatoren sind mittendrin. Sie geben sich als Menschen aus und simulieren menschliches Verhalten (incl. Freien Willen), sie mailen und posten und interagieren, und das Ganze in betrügerischer Absicht. In einem SZ-Artikel von 2014 wird das bezeichnet als „automatisierte Scharlatane„, „Humanheuchler„, „Fake-Traffic„.  Solche Bots seien einfach zu programmieren, man nimmt z.B. die Software UBotStudio, und schwupps, hat man seinen Computer zu unglaublichen Dingen ertüchtigt. Das sind z.B „Auto-Tweets“, die Twitter tausende von Tweets vortweeten, oder 100.000 nicht rückverfolgbare Klicks auf eine Site – ein Computer kann so tun, als wäre er 1000-fach da.

Dieser gefälschte Traffic stört und belästigt und belastet, er kann von bis dato unverdächtigen Quellen ausgehen, und er nimmt den Werbetreibenden die Grundlage, auf der sie die Klick-Erfolge messen. Automatische Klicks laden Videos und täuschen generiertes Kundeninteresse vor, für das Werbegelder fällig werden.

Wie war das skeptische Wort aus dem SZ-Artikel für die hochkochenden Umwälzungen der künstlichen Intelligenz im Netz? Das Über-Netz.

 

Wilfried Müller

(Dieser Artikel wurde am 11.5.14 zuerst als Die Impersonatoren sind da publiziert und am 2.11.19 überarbeitet.)

 

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1 Response to Impersonatoren im Internet

  1. Wilfried Müller sagt:

    Passend zum Artikel musste ich grad ein paar Spam-Kommentare löschen …

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